Kunstausstellung · Diverse Musik

Freq_out 12


Vom 22. April bis 1. Mai findet in der Wiener Kanalisation unter dem Karlsplatz die letzte Ausgabe von „freq_out“, einem innovativen, radikalen und zugleich poetischen Klang-Kunst-Projekt statt. 15 namhafte internationale KlangkünstlerInnen werden für „freq_out 12“ [the last edition] die beeindruckende Wiener Unterwelt in sieben Meter Tiefe am legendären Schauplatz des Filmklassikers „Der dritte Mann“ klanglich ausloten.

Carl Michael von Hausswolff
Künstler & Kurator

Diese Klangkunstausstellung ist dem Werk freqout 12 gewidmet, das der Erweiterung des Musikbegriffs auf den Grund geht. Es besteht aus 12 Klangarbeiten aus reinen Frequenzen im Bereich von 0 bis 12.000 Hz. Bei aller Komplexität und Erhabenheit besteht es im Wesentlichen aus einer Mischung aus „ernsten“ klassischen und neuen Musiken aus dem 19. und 20. Jahrhundert, aus welchem auch popmusikalische Elemente beigesteuert werden. Es ist mir eine große Freude, die neueste und gleichzeitig letzte Variation dieses Stücks in Wien vorstellen zu dürfen, ist diese Stadt doch – ob zum Guten oder Schlechten – die Geburtsstätte der westlichen klassischen Musik. In Wien lebten große Komponisten wie Mozart, Beethoven, Mahler oder Schönberg, und so gibt mir meine Intervention in die hiesige Kunst- und Musikgeschichte ein heiteres, befreites Gefühl. Da die beste Musik der alten Komponisten in den architektonisch himmlischsten Schlössern und Kirchen aufgeführt wurde, geben wir der Wiener Ausgabe von freqout ein alchemistisches Motto mit auf den Weg: „Wie oben so unten – wie im Himmel so in der Hölle“.

Durch die Kanalisation Wiens fließt das, wovor sich die Menschen am meisten fürchten und ekeln – die Scheiße und die Pisse anderer. Und genau dorthin wird es uns verschlagen. Die Aufgabe der Kunst ist es nicht, das Leben zu beschreiben, sondern es zu entfalten. Ebenso ist es nicht die Aufgabe der Alchemie, Menschen durch die Herstellung von Gold reich zu machen, sondern das menschliche Wesen von einem unwissenden Tier zu einem eleganteren Tier zu machen, indem sie seine inneren Schichten betört. Unsere Exkursion in Wiens Kanalsystem setzt fort, was Graham Greene, Carol Reed und Orson Welles 1949 mit dem Filmkrimi Der dritte Mann begannen. Wir wollen dem Kanal seine Würde zurückgeben, indem wir ihn mit der feinsten aller Künste bereichern. Die Klänge erklingen dort, wo die Kanalisation und der Wienfluss parallel verlaufen, direkt unterhalb des Firmaments der europäischen „Hochkultur“. Hier, wo die Akustik so großartig ist wie in jedem Wiener Opernhaus und zugleich so filigran wie in jedem Wiener Konzertsaal, wollen wir die Architektur des Untergrunds in eine Kathedrale des Underground verwandeln.

Hier möchte ich Hans-Joachim Roedelius, dessen Musik ich seit den 70ern verfolge, Peter Rehberg den ich 1994 in Wien kennenlernte, und Franz Graf, den Meister des immerwährenden Bildes, als neue Teilnehmer bei freqout Willkommen heißen. Ein großes DANKE gilt Georg Weckwerth (TONSPUR), Francesca von Habsburg und Daniela Zyman (TBA21), Franz Pomassl (Ko-Kurator) und JG Thirlwell (Komponist für das freqout Orchestra), ohne die Ausstellung und Konzert nicht stattfinden würden. Weiters umarme ich alle ehemaligen „freqs“: Mike Harding, Jacob Kierkegaard, Brandon LaBelle, leif e. boman, Leif Elggren, Hans Sydow, Kamar Studios, und Building Transmissions: „Wenn der Winter kommt, war der Sommer schon da.“


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