Theater

Frankenstein


Mary Shelleys Kult-Roman erschien vor 200 Jahren und benennt jene Probleme, die uns auch in Zeiten von Gentechnologie und künstlicher Intelligenz beschäftigen: Wozu ist die Wissenschaft in der Lage - und wo liegen ihre ethischen Grenzen?

Nach Mary Shelley
von Clemens Pötsch

Eisige Schauer sind garantiert, wenn sich die Tür zu Victor Frankensteins geheimem Labor öffnet. Denn dort gelingt dem jungen Studenten das, woran sich Forschung und Industrie bis heute die Zähne ausbeißen: die Erschaffung menschlichen Lebens aus toter Materie. Doch das lang herbeigesehnte Ziel entpuppt sich in der Realität schnell als Albtraum. Entsetzt über das Ergebnis seiner Experimente verstößt Victor die Kreatur, die er erschuf.
Hilflos und vollkommen auf sich allein gestellt führt deren verzweifelte Suche nach menschlicher Wärme und Zuneigung nur zu Ablehnung, Chaos und Leid. Wenn sie von den Menschen eines lernen konnte, so ist es der Hass. Und dieser richtet sich bald gegen den eigenen Schöpfer. Als sich die beiden schlussendlich gegenüber stehen, muss Victor erkennen, dass seine wissenschaftliche Arbeit viel weitreichendere Folgen hat als er jemals ahnen konnte. Konfrontiert mit seinem eigenen Handeln stellt sich die Frage, wer eigentlich das wahre Monster ist.

Mary Shelleys bahnbrechender Roman erschien vor 200 Jahren und benennt jene Probleme, die uns in Zeiten von Gentechnologie und künstlicher Intelligenz mehr denn je beschäftigen: Wozu ist die Wissenschaft in der Lage – und wo liegen ihre ethischen Grenzen? Kann und soll die Forschung Naturgesetze außer Kraft setzen, um den Tod endgültig zu besiegen? Welche Konsequenzen erwarten uns, wenn der vermeintlich »perfekte Mensch« künstlich geschaffen werden kann? Welchen Vorstellungen und Ansprüchen soll eine solche Lebensform genügen? Was bedeutet es überhaupt, ein Mensch zu sein? Denn im Herzen ist der moderne Mythos von Victor Frankenstein und seinem Monster weit mehr als eine Warnung vor den Gefahren maßlosen Forschungsdrangs. Es ist die Geschichte eines Außenseiters, der sich in einer Welt zurechtfinden muss, die ihm mit Ausgrenzung und Unverständnis begegnet.


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