Literatur · Theater

Florjan Lipus - Schotter



Der Schotter, den Florjan Lipuš hier beschwört, bedeckt die ansonsten leere Fläche zwischen den Baracken eines Frauenkonzentrationslagers. Ein literarisches Denkmal, ein Klagelied im Widerspruch gegen das Vergessen und die Vergeblichkeit des Leidens.

Florjan Lipuš, geboren 1937 in Lobnig bei Bad Eisenkappl, lebt in Sele/Sielach, Unterkärnten. Er veröffentlicht Romane, Prosa, Essays und szenische Texte in slowenischer Sprache. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Roman „Zmote dijaka Tjaža“, der zuerst 1972 in Slowenien und 1981 in der Übersetzung von Peter Handke unter dem Titel „Der Zögling Tjaž“ auf deutsch erschien. Für sein Werk erhielt Lipuš zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Petrarca-Preis und den Franz-Nabl-Preis.

Schotter
Der Schotter, den Florjan Lipuš hier beschwört, bedeckt die ansonsten leere Fläche zwischen den Baracken eines Frauenkonzentrationslagers. Es könnte das KZ Ravensbrück sein, wo seine Mutter ermordet wurde, nachdem sie als Partisanen verkleidete Gestapo-Männer bewirtet hatte. Es könnte aber auch jedes andere sein, wo die aussortierten, ausgemergelten Frauen Stunde um Stunde ihres schwindenden Lebens Appell stehen. Jahre später stehen hier die "Gedächtnisgeher", "Ausflügler" nachfolgender Generationen auf der Suche nach etwas, von dem es kaum noch Spuren gibt, in der Hoffnung, dass sich ihnen etwas offenbart. Die unbekannte Großmutter etwa: Sollen die Enkelkinder, die ihr die schön gewachsenen Körper verdanken, sie duzen oder siezen? Doch die Großmutter erscheint ihnen nicht, alles, was sie finden, ist Schotter. Und im Dorf, in das sie zurückkehren, begegnet man ihnen mit Misstrauen und Schweigen.