Jazz

Fernwärme Open Air


Der heuer auch schon 70 Jahre alt werdende Altsaxofonist David Sanborn hat solide Wurzeln im Blues und R&B. Jüngere Alben wie „Here And Gone“ und „Only Everything“ waren glühende Hommagen an die langjährigen Ray-Charles-Saxofonisten Hank Crawford und David Fathead Newman, die den sechsfachen Grammygewinner Sanborn in seinen Anfangsjahren prägten.

Als langjähriger Sessionmusiker pflegte er auch diplomatische Beziehungen mit der Welt des Pop und des Soul. Er spielte für Stevie Wonder, James Brown, Bryan Ferry, Donny Hathaway, Steely Dan und viele mehr.

Als Jazzer war er hoch geschätzter Sideman in der Band von Gil Evans. Immer noch extrem markant tönen seine Saxofonbeiträge für Davis Bowies Blue-Eyed-Soulalbum „Young Americans“.

Ab 1975 nahm Sanborn dann 24 Alben unter eigenem Namen auf. Schon damals fusionierte er R&B, Pop und Jazz. Er gilt als einer der Gründerväter des entspannten Smooth Jazz, der in den USA und Großbritannien zu einer großen Bewegung wurde. Mitteleuropäischen Ohren klang das oft zu gelackt. Musikalisch waren aber selbst Sanborns kommerziellste Alben von guter Statur.

Sein gleichermaßen glühender wie intimer Ton, der zumeist über sublimem R&B schwebt, ist hierzulande manchmal als Cocktail-Jazz verunglimpft worden. Dabei hat sein Spiel stets auch Ecken und Kanten und jede Menge Soul.

Persönlich sieht er sich musikalisch in Blues und Rhythm & Blues-Tradition verankert, wo es ganz allgemein weniger auf intellektuelle technische Tricks ankommt, als vielmehr auf einen unverwechselbaren, emotionalen Ton.

Im Vorjahr überraschte Sanborn mit reschen Klängen. Er war eine der treibenden Kräfte auf „Enjoy The View“, Bobby Hutchersons großartigem Comeback auf Blue Note. Beim Jazz Fest Wien 2015 wird David Sanborn mit seiner Electric Band gastieren, aus der sein langjähriger Keyboarder Ricky Peterson besonders hervorsticht.

line up:
David Sanborn (Sax)
Niky Moroch (Guitar)
Richard Patterson (Bass)
Ricky Peterson (Keyboards)
Gene Lake (Drums)

Der 43jährige Ed Motta ist ein quecksilbrig das E-Piano spielender Fusionist von Genres wie MPB, Soul, Reggae, Rock und Jazz. Er stammt aus Rio de Janeiro. Seine beseelte Stimme erinnert an jene seines legendären Onkels Tim Maia, dem Begründer des Carioca Soul.

Schon als Kind wird er von ihm und seinen ebenfalls musikbesessenen Eltern zum Eklektiker erzogen. Neben Earth, Wind & Fire und Stevie Wonder zählen auch anglosächsische Blueser und Rocker wie Led Zeppelin, Thin Lizzy und Rory Gallagher zu seinen Favoriten. Die vielfältigen, brasilianischen Stile inhaliert der schwergewichtige Musiker sowieso.

Umso faszinierender ist zu beobachten, welch lässig-lockeren Anschlag dieser gerne als “Koloss von Rio“ Titulierte am E-Piano hat. Die erste Band, in der er singt, heißt Kaballah und hat sich erdigem Rock verschrieben.

Seine nächste Station war ab 1988 die Band Conexao Japeri. 1990 erschien dann endlich sein Solodebüt „Contrato Com Deus“, auf dem er sämtliche Instrumente selbst spielte. Seither ist er Fixpunkt nicht in nur der lokalen, brasilianischen Szene sondern auch auf globalem Terrain.

Seine Kollaborationen umfassen so unterschiedliche Kollegen wie Bo Diddley, Ryuichi Sakamoto, Seu Jorge, Roy Ayers, 4 Hero und Incognito. Auf seinem letzten Album „AOR“ von 2013 begrüßte er Gäste wie den legendären Gitarristen David T. Walker und überrascht mit einer Hommage an den „Adult Oriented Rock“ der späten Siebzigerjahre. Trotz Songtitel wie „S.O.S. Amor“ tut es dieser Fan der Doobie wie der Alessi Brothers zum Teil im entspannten Modus von Hawaii-Sounds.

Neben seinen sonnigen Soloalben komponiert Motta nicht zu wenige Soundtracks und arbeitet neuerdings auch viel mit Orchestern zusammen. Weil das alles aber noch nicht genügt, ist er ein passionierter Schallplattensammler. Seine Kollektion umfasst mehr als 30000 Tonträger.

line up:
Ed Motta (vocals, piano)
Miguel Casais (drums)
Paulinho Guitarra (guitar)
Hans Huefken (bass)
Matti Klein (keys)

Raphael Wressnig

Ende der Achtzigerjahre hat sich der Hammond-B3-Sound wieder seinen verdienten Platz in den Tanzlokalen zurückerkämpft. Legendäre Kräfte wie Jimmy Smith, Charles Earland, Jimmy McGriff, Jack McDuff, Dr. Lonnie Smith und Johnny Hammond Smith waren plötzlich wieder Gesprächsthema unter jungen Menschen. „Rare Grooves“, also Aufnahmen aus den Sixties und Seventies, waren plötzlich wieder hip. Seit dieser Renaissance hat sich speziell der mit der Orgel assoziierte Groove als Konstante jeden qualitativ hochwertigen Dancefloors etabliert.

Neue Player gibt es selbstverständlich auch. Raphael Wressnig etwa, einen 1979 in Graz geborener Tastentiger, der heuer die Kunst des rechten Reibens, „Grinding“ genannt, schlicht von Schallplatten der amerikanischen Großmeister lernte.

Er praktizierte mit so unterschiedlichen Größen wie Oliver Mally, Karl Ratzer, Josef Zawinul, Wolfgang Ambros und sogar Kurt Ostbahn. 2002 nahm er sein Solodebüt „Manic Organic“ auf. Seither steht das Werkl nicht mehr still.

Jetzt war es auch mal an der Zeit, in die USA zu gehen und dort ein Album aufzunehmen. Wressnig entschied sich für New Orleans. Sein aktuelles Opus nennt sich „Soul Gumbo“. Mit amerikanischen Gastsängern wie Walter „Wolfman“ Washington und John Cleary glückten beseelte Momente. Zudem leisteten auch lokale Instrumentalisten wie Meters-Bassist George Porter und Saxofonist Craig Handy pointierte Beiträge.

Mit diesen famosen Gästen glückt Wressnig sein bislang bestes Album. Mindest ebensolche Highlights wie die Groovenummern sind Balladen wie „I Want To Know“ und „Sometimes I Wonder“, wo sich Wressnig klug zurücknimmt.

Für die Delikatesse seiner Musik wurde er in Branchengazetten dem deutschen „Jazzthing“, aber auch dem amerikanischen „Downbeat“ gelobt. 2013 wurde er sogar im Critic´s Poll in der Kategorie „Best Organ Player“ nominiert. Das ist sensationell.

line up:
Raphael Wressnig (Hammond B-3 organ)
Enrico Crivellaro (Guitar)
Andreas See (Saxes)
Horst-Michael Schaffer (Trumpet)
Silvio Berger (Drums)


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