Tanz

Exits and Entrances


In Exits and Entrances werden zwei Produktionen miteinander kombiniert, die gleichsam die Virtuosität ihrer Choreografen wie auch die ihrer InterpretInnen demonstrieren.

BIPED steht exemplarisch für die Arbeit des 2009 verstorbenen Begründers des Postmodern Dance, Merce Cunningham, der bis ins hohe Alter einer der innovativsten Forscher zwischen den Kunstformen war. Cunningham tanzte zwölf Jahre lang Hauptrollen bei Martha Graham, ehe er 1953 seine eigene Kompanie gründete, für die im Wesentlichen John Cage und David Tudor die Musik schrieben. Diese Zusammenarbeit hat Cunningham in hohem Maße geprägt. Und so ist die Aleatorik auch in Cunninghams Choreografien omnipräsent, die er unter Einbezug des Computerprogramms Life Forms entwickelte. Merce Cunningham studierte in seinen über 150 Tanzwerken die Bewegungsmöglichkeiten des Körpers und radikalisierte sie, um den Emanzipationsgrad der Bewegung immer weiter zu steigern.

Richard Siegal, ehemals Schüler Cunninghams und viele Jahre lang Tänzer der Forsythe Company, ist in seinem Zugang zu Choreografie und Transdisziplinarität Cunningham nicht unähnlich. Wissenschaftliche Exaktheit und dennoch ein spielerischer Umgang im Kreieren ihrer choreografischen Sprache, das Sichaneignen von Verfahrenstechniken und die enge Kooperation mit KünstlerkollegInnen zeichnen die Werke der beiden Choreografen aus.

Den rasanten Auftakt des Abends macht Siegals Unitxt. Höchste Präzision dominiert, wenn die TänzerInnen aufeinander zuschießen, ohne sich je zu streifen oder zu berühren. Es begegnen einander Individuen in einer kontrollierten Masse, die in gerade strukturierten Wegen ein rapides Wechselspiel mit ihrer Umgebung vollziehen. Das Zusammenwirken der Musik Carsten Nicolais – der als bildender Künstler, Musiker und Autor visueller Lexika genreübergreifend arbeitet –, der Bühneninstallation aus Licht und Projektion und der Objekt-Kostüme des Industriedesigners Konstantin Grcic lassen die TänzerInnen wie elegante Skulpturen wirken.

Das 1999 uraufgeführte Stück Cunnighams, BIPED, fasziniert mit einer Tanzwelt aus Schatten, einer Bewegungskomposition, die bei herausragendem tänzerischem Anspruch immer unbeschwert wirkt, mit spannenden Lichtszenerien und der von Gavin Bryars komponierten Musik.

Das Ensemble des Bayerischen Staatsballetts vermag diese Stücke, die Höchstleistung und Offenheit bei aller Präzision einfordern, mit faszinierend erhebender Leichtigkeit zu tanzen.

Unitxt
Auftragswerk von und für das Bayerische Staatsballett
CHOREOGRAFIE, LICHT, BÜHNE, PROJEKTION: Richard Siegal
MUSIK: Carsten Nicolai, 'alva noto . unitxt' (raster-noton 2008)
OBJEKTE, KOSTÜME: Konstantin Grcic
CHOREOGRAFISCHE MITARBEIT: Carolin Geiger

BIPED
CHOREOGRAFIE: Merce Cunningham
MUSIK: Gavin Bryars “BIPED”
LICHT: Aaron Copp
BÜHNE: Shelley Eshkar, Paul Kaiser
KOSTÜME: Suzanne Gallo
EINSTUDIERUNG: Jennifer Goggans, Robert Swinston

Richard Siegal / The Bakery

Merce Cunningham Trust

Bayerisches Staatsballett

EINFÜHRUNG von Christine Peters
MI 1. OKT
19.45 h in TQW / Studios
Eintritt frei

VORTRAG Civic Encounters: The Bakery
von Christine Peters
DO 2. OKT
19.00 h in TQW / Studios
Eintritt frei


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