Kunstausstellung · Fotografie Ausstellung

Eva Engelbert - In the Field


In der Ausstellung werden zwei parallel entstandene Arbeiten präsentiert, in denen scheinbar Entferntes zueinander in Beziehung gesetzt und die dadurch auftauchende Kulissenhaftigkeit untersucht wird.

Die Fotografien „Tokyo Blue“ und „Congo Blue“ zeigen inmitten des Wiener Nordbahnhofgeländes – einst wichtigster Bahnhof der Monarchie und heute Ort des Übergangs von der Brache zum neuen Stadtteil – aufgespannte blaue Farbfolien.

Ein Teil des Bildes wird so gefiltert: Hinter der farbigen Folie schimmern die Konturen der Neubauten durch, die die freie Fläche stetig kleiner werden lassen. Über die Namensherkunft der Blautöne „Tokyo Blue“ und „Congo Blue“ (Produkte eines gängigen Filtersystems für Lichtdesign, Fotografie und Architektur) ist kein direktes Wissen vorhanden. Sie sind lediglich „great effect colors“, denen scheinbar kontextlos ein Ort zugeschrieben wird. Welches Blau hätte der Ort der Aufnahme, würde man ihn zu einer Farbe machen? Und welches fotografische Abbild dieses Ortes entsteht, wenn das Licht künstlich verändert wird?



Die Konstruktion erinnert an eine Hintergrundwand im Fotostudio – in diesem Fall ist sie, platziert in der Baulücke, das Sujet selbst: eine Projektionsfläche des Aufbruchs und der Weite. Die Sujets meiner „zoologischen“ Feldforschung sind die als ,exotisch’ bezeichneten Tierskulpturen aus Beton, Stein oder Bronze, die in den 50er und 60er Jahren als von der Stadt Wien in Auftrag gegebene „Kunst am Bau“ in vielen Gemeindebauten aufgestellt wurden und sich unter Motive wie die „Vier Jahreszeiten“ oder „Kinderspiele“ mischten. Meist anachronistisch -nicht im Dialog mit der zeitgenössischen Kunst der damaligen Zeit – thematisieren sie eine Phantasie der „Ferne“, die zugleich domestiziert wurde.

Verstreut über die ganze Stadt, oftmals hinter Lifteinbauten oder sonstigen architektonischen Ergänzungen versteckt, überleben sie still die Zeit.

Der Elefant von Christa Vogelmayer verwächst mit dem Nadelstrauch, die spielenden Löwen von Alfred Hrdlicka sinken langsam in den Boden und der Seelöwe des Bildhauers Othmar Jarmer wurde vor kurzem versetzt, da der Gemeindebau in der Darnautgasse nicht mehr sanierbar ist und abgerissen wird. Der leere Sockel vor dem baufälligen Gebäude formt ein Monument des Verschwindens, ohne wirklich zu verschwinden. Ich suche die Tierskulpturen auf und versammle sie. Es entsteht eine historische wie gegenwärtige Kartographie von „,exotisch’-heimatlichen“ Requisiten.
Eva Engelbert

Di, Mi, Fr 11-18 Uhr
Do 11-20 Uhr | Sa 11-16 Uhr
So, Mo und Feiertage geschlossen
Eintritt frei


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