Kunstausstellung

Erwin Wurm - Zwielicht


Erwin Wurm Künstler gestaltet ein fiktives Wohnhaus mit Sitzmöbeln und Einrichtungsgegenständen, die deformiert und materiell entfremdet sind.

Der Künstler gestaltet ein fiktives Wohnhaus mit Sitzmöbeln und Einrichtungsgegenständen, die deformiert und materiell entfremdet sind.

Die Profanität der Objekte in Erwin Wurms Œuvre ist elementarer Grundbestandteil seines künstlerischen Schaffens. Die Spannbreite reicht hierbei von Gurken und Würsten über Autos bis zu Häusern unterschiedlichster Formgebung. Dies schafft primär Vertrauen beim Betrachter, denn die Gegenstände sind vermeintlich „bekannt“.

Die im Project Room auf zwei Etagen wie in einem kleinen Haus präsentierten Skulpturen erscheinen farblich in einer reduzierten Palette von Schwarz, Weiß oder Beige-Grau und erinnern formal an das Design bekannter Möbel aus den 1960er Jahren. Dieser Verweis wird teils durch die unnachgiebige Materialität von Bronze, Polyester oder Acrylguss, teils durch die surreal verengte Form gebrochen, als betrachte man die Objekte durch eine entsprechende Linse. Einige der Skulpturen weisen die Spur des Körpers des Künstlers auf, der auf dem ehemals weichen Modell für die später gegossene Skulptur beispielsweise rittlings gesessen (Horse) oder aufrecht gestanden (Stand) hat.

Die Titel der Skulpturen sind teilweise beschreibend für die Form der physischen Einwirkung, die der Künstler auf das zunächst an die Realität angelehnte, erstellte Modell vornahm – teilweise verweisen sie auf romantische Naturerlebnisse oder solitäre Erlebnisse des romantisierten Künstlerlebens, sowie die Lampenskulptur Twilight (Zwielicht). Der Titel für das Werk Attic Brain Rain ist ein Verweis auf das bekannte Gemälde von Carl Spitzweg, Der arme Poet, von 1839. Der Dichter liegt auf diesem Bild in seinem Bett in einer Mansarde mit einem Regenschirm als Schutz vor dem durch das löchrige Dach eindringenden Regen.

Attic Brain Rain und Toilet entstammen derselben Idee wie das sogenannte Narrow House des Künstlers, das er seinem Elternhaus nachempfunden in originaler Größe, jedoch auf 1,50 m reduzierte Breite nachgebaut hat. Von besonderer Bedeutung ist, dass es sich bei den formalen Anleihen um Vintagemöbel und -gegenstände handelt. Durch diese historische und soziale Verortbarkeit erhält das Werk eine außerordentliche Präsenz, die Assoziationen und Gefühle beim Betrachter auszulösen vermag.

Die Objekte des Alltags werden ihrer primären Funktion entbunden – der Künstler entzieht ihnen ihren Sinn. Was sichtbar wird, ist ein „Aus-der-Form-Geraten“. Der komplett verfremdete Wohnzusammenhang wirkt wie ein psychedelischer Anreiz auf die Fantasie des Betrachters.

Ende November diesen Jahres eröffnet Erwin Wurm eine viermonatige Einzelausstellung im Bangkok Art and Culture Centre (BACC). Im kommenden Jahr 2017 wird Erwin Wurm den österreichischen Pavillon auf der 57. Venedig-Biennale gestalten und darüber hinaus durch zahlreiche Einzelausstellungen in renommierten Institutionen wie etwa der Nationalgalerie Prag, dem Kunsthaus Graz, dem Lehmbruck Museum Duisburg und dem Museum für Moderne Kunst Küppersmühle Duisburg geehrt. Seine Werke sind weltweit in bedeutenden Museumssammlungen prominent vertreten, sowohl in Australien, als auch in Asien, Europa und Nord-und Südamerika.


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