Pop / Rock

Errdeka + Shawn the Savage Kid


Wenn man so wie eRRdeKa fernab der Großstadt aufwächst, dann gibt es eigentlich nichts zu tun und man macht halt, was man als Heranwachsender so macht: Fußball spielen, dann aber mit dem Rauchen anfangen und die Kicker-Karriere an den Nagel dafür lieber mit seinen Jungs abhängen, noch mehr abhängen, zwischendurch ein bisschen Scheiße bauen.

Zuhause hört eRRdeKa die Platten von Limp Bizkit, KoRn, Slipknot und System of a Down rauf und runter - so lange und laut, dass die Eltern sich schon fragen, was um alles in der Welt eigentlich mit dem Jungen falsch gelaufen ist. Aber die aggressiven Gitarrenwände machen die Langeweile der süddeutschen Kleinstadt ein bisschen weniger schlimm. Und wenn doch nichts mehr hilft wird halt noch mehr gekifft, noch länger rumgehangen oder auch mal andere Drogen ausprobiert.

Und plötzlich kommt wie aus dem Nichts dieser Deutschrap in Form von Sidos »Weihnachtssong« um die Ecke gebogen. Umgehend begibt eRRdeKa sich auf eine Reise in die Annalen des Berliner Untergrundraps: Von der Sekte über Royal TS bis hin zu Berlin Crime, Frauenarzt oder King Orgasmus. Mit seinem mp3-Player nimmt eRRdeKa über rumpelig-rauschend Beats erste eigene Punchlines in bester Berliner Tradition auf. Er zieht nach Augsburg und gründet gemeinsam mit seinen Kumpels Big B und Janisis das Label Eyeslow Records.
Als gelernter Mediengestalter kümmert sich eRRdeKa fortan neben dem Rap auch um die um Videos, Artworks und selbstdesignte Shirts der Eyeslow Crew. Überhaupt erinnern er und seine Entourage dabei nicht ganz unfreiwillig an einen Augsburgerischen A$AP-Mob. »Musik sollte immer auch visuell anspruchsvoll sein«, findet eRRdeKa. Eine Devise, die er auch mit seinem 2012 gemeinsam mit zwei Augsburger Kumpels gegründeten Monstaub-Kollektiv verfolgt. Es ist eine Partyreihe, bei der kein HipHop, sondern elektronische Musik aufgelegt wird. »Techno ist für mich eine gekonnte Abwechslung. Ich mag die Gemeinschaft, die die Musik erzeugt.« Eine Gemeinschaft von gut 500 Leuten, die mittlerweile regelmäßig zu den Parties in Augsburg kommen.

Techno und HipHop gehen für eRRdeKa ganz wunderbar einher. »Es geht um gute Musik – egal aus welchem Genre.« Mit seinen Grenzgängen macht er sich dabei nicht nur Freunde. Zwar ist der halb ernst-, halb ironischgemeinte Track »Ja ich bin Hipster« eRRdeKas bisher größer Erfolg - den Kunstgriff das Hipster-Klischee von Undercut, raren Turnschuhen und Mainstreamvermeidung auf den Arm zu nehmen, versteht trotzdem nicht jeder und stempelt ihn alsbald als genau jenes dieser Tage im Deutschrap so gerne bediente Klischee ab. Vorurteile, für die eRRdeKa nicht mehr als ein müdes Lächeln übrig hat. »Ich finde es eher schade, dass die Leute alles in eine Schublade stecken und sich gar nicht dafür interessieren, woher meine Referenzen eigentlich stammen.«

Referenzen, die sich auch zuhauf auf seinem für den Sommer geplanten Album »Paradies« finden werden. »Es sind weite und flächige Beats die an Shlomoh oder Flume erinnern. Nur eben mit einer ordentlichen Ladung Dreck in den Synthesizern und Power an den Drums«, erklärt eRRdeKa den Sound des von Max Mostley produzierten Albums. Thematisch bewegt sich das Album planlos und pointiert gleichermaßen in einen Spannungsfeld aus Melancholie, Gesellschaftskritik, Vergangenheitsbewältigung und Zukunftsdenken. »Es geht um all das, worüber ich mich als Anfangzwanzigjähriger einen Kopf mache. Ich weiß nicht so recht, wo es hingehen soll, schwimme ein bisschen, habe aber andererseits auch ganz klare Vorstellungen davon, was ich will.«

Bei dem diesjährigen New Music Award 2014 gehört eRRdeKa zu den neun Finalisten, die am 07.09.2014 im Admiralspalast auftreten werden. Der jährlich in Berlin stattfindende New Music Award zählt zu den wichtigsten Musikpreisen für deutsche Nachwuchskünstler. Zudem wird eRRdeKa, sowie 25 weitere
Künstlerprojekte in der 26. Förderrunde der Initiative Musik unterstützt.

Support:
Shawn The Savage Kid


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