Pop / Rock · Volxmusik / Neue Volksmusik

Ernst Molden & Willi Resetarits & Soyka & Wirth


Was an „Ohne di" zuerst auffällt, ist der Sound der Band. Eine Knöpferlharmonika, akustische und elektrische Gitarre, weder Bass noch Schlagzeug. Dieses filigrane, musikalische Geflecht bietet dem Gesang von Ernst Molden und Willi Resetarits eine perfekte Basis, außerdem passt der elektrische Gitarrist Hannes Wirth gut auf, dass es nicht zu lauschig wird.

Zweitens der Gesang. Er ist ungeschönt und rau. Molden und Resetarits singen oft unisono, das ergibt leicht schwebende Melodielinien, manchmal wechselt der blendende Harmoniesänger Resetarits auch ins Zweite-Stimmen-Fach und lässt Moldens Refrains glänzen. Manchmal überlassen einander die beiden auch einen ganzen Song, wenn es richtig und notwendig scheint. So singt Molden das bezaubernde Liebeslied „De Blia" solo zum Zucken seiner Gitarre, und das ist ein großer Moment auf diesem Album. Umgekehrt ist auch Resetarits’ Soloauftritt auf „Sog Wos d Wuesd" von herzensbildender Kraft, und diese beiden Höhepunkte erzählen nur von den sentimentalen Spitzen von „Ohne di".

Drittens die Sprache. Die Songs sind von großer, poetischer Präzision. Molden kann genauso gut schmeicheln wie schimpfen, sein auf „De Beag" platzierter Vorschlag, den Sender auf dem Kahlenberg zu schleifen, ist nicht nur witzig, sondern auch begründet. Es scheint, als ob Ernst Molden im Werkzeugkasten des Wiener Dialekts die Bausteine vorgefunden hat, mit denen er nach Belieben Stimmungen bauen kann und Gefühle erzeugen.

Viertens die Zeitlosigkeit. „Ohne di" ist nicht altmodisch und nicht modern. Es lehnt sich weder an die klassischen Sounds alter Blues- oder Soulgrößen an, kokettiert höchstens mit dem Wienerlied, traut sich Eigenständigkeit und Originalität zu. Prognose: „Ohne di" kein zu erwartendes Ablaufdatum. Es tritt als Klassiker in seine Zeit. (Christian Seiler)

www.ernstmolden.at


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