Theater

Ernst ist das Leben


„Ernst ist das Leben“ betitelt Jelinek ihre Fassung von Wildes Komödie, jedoch ernst bleiben kann bei diesem Repertoire aus Wortwitz, Sprachspielen, Überhöhungen, Pointen und Doppel-bödigkeiten wohl niemand. Es ist ein Fest der Komödie und ein Fest der Sprache.

Doppelt hält besser. Habe ich alles ausprobiert“, schreibt Wilde, lässt seine beiden Protagonisten dem Doppelleben frönen und verdoppelt auf vielfache Weise diese Dopplungen auch in der Paarung seiner Figuren. In der Inszenierung von Michael Sturminger setzt sich das Verdoppeln weiter fort, wagt Sturminger doch das Experiment, alle Rollen mit Frauen zu besetzen und kommt den bereits erwähnten freigeistigen Ideen Wildes von Liebe und Begehren über alle Geschlechtergrenzen hinweg, besonders nahe.

"Ernst ist das Leben" - Inhalt

Um dem nötigen Ernst des Lebens zu entgehen und sich unbeschadet dem sündigen Doppelleben eines „Doppelladers“ hinzugeben, haben die beiden Freunde Algernon und Jack sich selbst neu und einen Doppelgänger erfunden, der ihnen das ungestörte „Bunburysieren“ abseits der moralisch legitimen Trampelpfade ermöglicht: Jack den jüngeren Bruder Ernst, ein liederliches Subjekt, das sich ständig in Schwulitäten bringt und Jack ausgedehnte Reisen vom Land in die Stadt ermöglicht; und Algernon den kränklichen Freund Bunbury, der ihm seinerseits ungestörte Ausflüge von der Stadt aufs Land erlaubt.

Jack, in der Stadt nur als Ernst bekannt, verliebt sich in Algernons Cousine Gwendolen, die vollen Ernstes nur einen Mann namens Ernst lieben möchte und diesen in Jack/Ernst gefunden zu haben glaubt. Algernon hingegen, der Jacks Abwesenheit auf dem Land ausnützt, besucht unter dem Vorwand, der jüngere Bruder Ernst zu sein, Jacks Mündel Cecily, die ebenfalls wild entschlossen ist, nur einen Ernst zu nehmen und sich bereits vor Ankunft des leibhaftigen Bruders Ernst in diesen verliebt hat. Lady Bracknell, Gwendolens Mutter, erhebt lautstarken Protest gegen die Heirat ihrer Tochter, als sie erfährt, dass Jack/Ernst ein auf einer Londoner Bahnhofs-Toilette abgelegtes Findelkind mit unbekannter Herkunft ist und zwingt damit ihre Tochter, zu ihrem geliebten Ernst aufs Land zu flüchten. So treffen die beiden vermeintlichen Ernste auf die beiden in Ernst verliebten jungen Damen.

Bis sich das doppelte Verwirrspiel durch eine wiedergefundene Reisetasche und Cecilys Gouvernante Miss Prism in Wohlgefallen und mehrere Hochzeiten auflöst, frönen Wilde und Jelinek in hinreißend komischen Momenten ihrem Talent, den Abgründen und dem Ernst des Lebens mit pointiertem Witz und spitzer Feder zu Leibe zu rücken.


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