Kunstausstellung

Ernst Bachinger - Atomic Hares


Zu Buchstaben atomisierte Plakate generieren - ihrem ursprünglichen Kontext entrissen - eine neu konstruierte Realität. Text wird hier zu Bild, der Verweischarakter von Sprache weicht dem visuellen Charakter der neonfarbenen Plakattypen.

Im quadratischen Format erzeugen Opazität und Transluzenz, steril mechanische Druckflächen und malerische, menschliche „Unperfektheit“ eine ästhetische Spannung. Und immer wieder gibt es doch einen versteckten Blick auf einen Horizont, einen Verweis auf Wirklichkeit, wenn auch atomarer Natur: den ATOMIC HARE. Es sind magische Wesen. Sie gehören einer vorschriftlichen oder einer zukünftigen Welt an, vermischen Natur mit Kultur, Bild mit Schrift.

Auch hier scheint alles spontan und leicht, doch von der Schrifttype der Buchstaben bis hin zur hierarchielosen Anordnung im quadratischen Format ist alles in einem langen Prozess entstanden. Eine kritische Dimension verbirgt sich in den heitere Grundstimmung erzeugenden Bildern.

HOLY MEAT, HEROES RELOADED, JAPAN TRESPASSED
Superhelden, Comicfiguren und Ray Guns beleben die Bildwelt Bachingers. Inhaltlich wie formal wird auf Pop-Art, Abstrakten Expressionismus, Fotorealismus oder Happening zurückgegriffen. Die Retro-Optik aus der Zeit des Wirtschaftsaufschwungs, des Glaubens an den amerikanischen Traum und der faszinierenden Bildwelt der Werbung wird dann vielfach collagiert, bearbeitet, dekonstruiert.
HOLY MEAT, HEROES RELOADED und JAPAN TRESPASSED sind wie die ATOMIC HARES magisch belebte Bilder. Im digitalen Zeitalter des binären Codes führen uns hier Comic-Helden, Geister und „heiliges Fleisch“ in ein magisches Zeitalter, in dem Kultur und Natur vermischt sind - noch oder wieder?
Die Serie HOLY MEAT zeigt scheinbar eigenmächtig in der Luft schwebende Ray Guns - eine Referenz an Claes Oldenburg, die als animierte rohe Steaks die Welt mit Strahlen durchdringen. Animismus östlicher Färbung zieht sich durch die mehrfach bearbeiteten Fotos der Serie JAPANTRESPASSED. Sie zeigen eine - auch bildtechnisch - immer wieder vollzogene Annäherung an eine fremde Kultur. Wesen und Energiefelder, die an animistische Züge des Shintoismus denken lassen, beseelen die Bilder und markieren das Überschreiten des Bandes zwischen zwei Geisteswelten und Kulturen.
Ernst Bachinger hat Kunst im Kopf - schon seit der Schulzeit. Seine Schulhefte füllte er mit Raumschiffen, Flugzeugen und Comicfiguren. In der Münchner Gymnasialzeit prägten Bachinger Teilnahmen an Happenings an der Kunstakademie. Studium und Beruf verlagerten die Kreativität in einen anderen Sektor: den der Werbung. Seit 2003 widmet sich Ernst Bachinger wieder stärker der Kunst - mit den Mechanismen der Werbebranche im Hinterkopf.
Pop-Art und Abstrakter Expressionismus sind der kunsthistorische Hintergrund der aktualisierten und postmodern ironisch verfremdeten Arbeiten in Auseinandersetzung mit dem goldenen Zeitalter des amerikanischen Traums und damit einhergehend - der Werbung.
Auf den ersten Blick farbenprächtig, schnell zu erfassen und den Betrachter mit einer Ästhetisierung betörend, offenbaren die Arbeiten Bachingers eine weitere, tiefere Lage. Das was leicht wirkt, ist in einem langen Prozess des Ausprobierens von Techniken und des Findens einer inneren Stimmigkeit konstruiert.

www.ernstbachinger.com


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