Literatur · Theater

Erni Mangold liest


Erni Mangold war immer schon dagegen. Gegen Männer, die Frauen als Freiwild betrachten, gegen hochmütige Professoren und alle, die sie in eine Schublade stecken wollen. Gegen Konventionen und verlogene Moral. Gegen Schminke und Büstenhalter.
Sie kam 1927 im Gasthaus ihrer Großeltern in Großweikersdorf zur Welt und genoss später an der Seite Helmut Qualtingers die Freiheit im zerbombten, in vier Besatzungszonen geteilten Wien. Als »Sexerl« im Ensemble des Theaters in der Josefstadt leistete sie erfolgreich Widerstand gegen männliche Verfolger. Sie behandelte Theater- und Filmgrößen mit der nötigen Frechheit und verschaffte sich so Respekt. Während die Freundschaft mit Bruno Kreisky ihr politisches Bewusstsein formte, gelang ihr die Rolle der braven Ehefrau an der Seite von Heinz Reincke nur auf Zeit.

Als Professorin am Max Reinhardt-Seminar setzte sie sich gegen rücksichtsloses Machtdenken durch und erlebte ihre ganz persönliche Emanzipation. Vor der Kamera stand sie u. a. mit Paula Wessely, Romy Schneider, Helmut Qualtinger, O. W. Fischer; sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen.Zitat Michael Schottenberg: „Eine der größten Schauspielerinnen unserer Zeit, ein Monstrum an Wahrhaftigkeit. Sie ist zornig, ungehobelt, zärtlich und voller Liebe. Und sie ist der jüngste Mensch, den ich kenne.“Seit vielen Jahren bewohnt Erni Mangold ein Bauernhaus im Waldviertel, seit ihrem 80er an einer Adresse mit ihrem Namen.

Die Gemeinde Sankt Leonhard am Hornerwald widmete ihr den "Prof. Erni Mangold-Weg". "Ich bin stolz auf meine Auszeichnungen, aber das war für mich das schönste Geschenk. Einen eigenen Straßennamen kriegt man ja für gewöhnlich nur posthum", schreibt sie in "Lassen Sie mich in Ruhe". Ruhestand kennt sie allerdings nicht: "Ich staune manchmal selbst, wie ich das alles schaffe. Schonen muss ich mich nicht für die paar Jahre, die da noch bleiben. Solange es mir gut geht, mach ich, was ich kann und will.


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