Literatur · Theater

Erika Pluhar - Die stille Zeit


Geschichten und Gedanken nicht nur zur Weihnachtszeit.

Wenn alljährlich der Weihnachtsrummel ausbricht, oft schon Ende Oktober, wenn die Santa Cläuse, Lichterbäume und Tschingelbells, der merkantile Irrsinn dieser zynischen Marketing-Orgie einen wehrlos überfällt, dann flüchte ich in eine innere Weihnachts-Emigration. Für mich bitte kein Weihnachten, sage ich dann, meide Einkaufsstraßen, denke an kein einziges Weihnachtsgeschenk für irgendjemanden, und lebe mittlerweile gekonnt an diesem angeblichen Muß vorbei.

Während Menschen rundum hektisch und überlastet durch die Wochen vor dem Weihnachtsfest rasen, klinke ich mich einfach aus. Um dann, am „heiligen Abend“ in Muße ein Fest zu begehen. Meine Liebsten um mich, kleine Gaben, die zu besorgen keines Aufwandes bedurfte, gemeinsam speisen und trinken, durchaus Tannengrün, Kerzenschein und Weihnachtslieder, aber vor allem eben das Fest Weih-Nacht. Der Stille, Nachdenklichkeit, dem friedvollen Herzen und der Liebe zueinander geweiht. Wenn dies sich nicht fügt, dann weg mit dem ganzen Zirkus. Mit der angeblichen Verpflichtung, partout Geschenke zu tauschen, will ich nichts zu tun haben, wohl wissend, daß dahinter maßgeblich kommerzielle Interessen stehen, die uns herumjagen, um das, nomen est omen, „Weihnachtsgeschäft“ zu beleben. Ich ermuntere, wo ich kann, zum Widerstand. Und beobachte mehr und mehr Menschen, die sich nicht länger in dieser Weise antreiben lassen wollen, um wie die Lemminge in den Abgrund einer erschöpfenden, schlechtgelaunten, von Kauf und Verkauf bestimmten Weihnachtszeit stürzen.

Erika Pluhar
geboren 1939 in Wien, war seit ihrer Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar bis 1999 Schauspielerin am Burgtheater in Wien. Sie textet und interpretiert Lieder, hat Filme gedreht und zahlreiche Bücher veröffentlicht. 2000 erhielt sie das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien und 2009 den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln. Zuletzt erschienen: "Gegenüber" (2016), "Anna - Eine Kindheit" (2018), "Die Stimme erheben - Über Kultur, Politik und Leben" (2019).


Vergangene Termine