Literatur

Erich Hackl - Dieses Buch gehört meiner Mutter


Die Geschichte von Erich Hackls Mutter handelt von Missständen, materiellen und geistigen, und sie handelt davon, wie wenig Aufhebens die Mutter davon macht.

Die Besonderheit eines Menschenlebens
Der österreichische Schriftsteller Erich Hackl gilt als großer Chronist der deutschsprachigen Literatur - und ihr großer Empathiker. Seine Erzählungen stellen politisch Verachtete, Verstoßene, Verfolgte in den Mittelpunkt. In einem seiner neuesten Bücher widmet sich Erich Hackl seiner Mutter.
Dieses Buch gehört meiner Mutter heißt der Band, der das Leben einer einfachen Frau in Österreich beschreibt, eine Bauerntochter im Unteren Mühlviertel, einem entlegenen Hügelland nördlich der Donau, nahe der tschechischen Grenze. In einer kunstvoll einfachen Sprache erfährt man von einer vergangenen Welt mit ihren farbigen Bildern und Geschichten. In Hackls Vergegenwärtigung ist diese Welt alles andere als idyllisch, immer aber wird die Würde und Besonderheit eines Menschenlebens bewahrt.

Erich Hackls Erzählungen, übersetzt in 25 Sprachen, liegen meist authentische Fälle zugrunde, meist Lebensläufe politisch Verachteter, Verstoßener, Verfolgter: zum Beispiel die Geschichte eines im Konzentrationslager ermordeten Roma-Mädchens (Abschied von Sidonie) oder die Geschichte von Gisi Tenenbaum, einer der Tausenden Verschleppten der argentinischen Militärjunta (Als ob ein Engel). Hackl schreibt gegen das Vergessen an, er schreibt nicht nur für seine Leser, sondern stets auch für die Menschen, über die er schreibt.

Die Geschichte von Erich Hackls Mutter handelt von Missständen, materiellen und geistigen, und sie handelt davon, wie wenig Aufhebens die Mutter davon macht. Sie rettet ihren Vater vor dem Selbstmord; sie beobachtet, wie eine Ausflüglerin aus der Stadt tödlich mit dem Auto verunglückt; sie hört, wie ein Nachbar seine Töchter missbraucht; sie berichtet von Kriegsgefangenen im Dorf; sie erinnert sich an die erste Begegnung mit ihrem späteren Mann: Nie verliert sie auch nur ein Wort zu viel. Sei es, weil sie nicht so viele Wörter hat. Oder weil sie sich nicht so viele Wörter nehmen will, weil sie sich nicht so wichtig nimmt. Weil sie bescheiden ist und genügsam, so bescheiden und genügsam wie all die anderen Bewohner ihres Dorfes.
Erich Hackl lässt seine Mutter direkt aus dieser Traditionsgemeinschaft heraus erzählen, immer forsch geradeaus, er lässt sie fast nichts erklären oder kommentieren. Auf einen durchgehenden Plot verzichtet er, er setzt Schlaglichter.


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