Neue Klassik

Ensemble Nikel


„New Boys on the Block“ – so hätte ein Kritiker über Ensemble Nikel nach dem sensationellen Erfolg bei den Donaueschinger Musiktagen 2012 schreiben können, obwohl das Quartett schon 2006 gegründet wurde.

Mit der rock- und jazz-konnotierten Besetzung Saxophon, E-Gitarre, Schlagzeug und Klavier zielt die „Band“ auf ein modernes Klangbild zwischen Elektronik, elektrischer Verstärkung und akustischen Instrumenten, auf jugendliche Kraft und Dynamik, auf „Power“, auf ein exquisites, spezifisches Repertoire. Aus dem Donaueschinger Programm von 2012 werden zwei Werke aufgeführt von Komponisten mittlerer Generation – beide sind 1966 geboren –, die gleichwohl mit ihren radikalen künstlerischen Absichten junge Pioniere geblieben sind. Zentrales Anliegen des Österreichers Clemens Gadenstätter ist die interdependente Beziehung zwischen „Hören Verstehen Komponieren“. Seine Sad Songs setzen sich mit der „Polymodalität des Hörens“ beim Wahrnehmen emotionalen Ausdrucks wie Angst und Trauer in der Musik auseinander. „Musik außerhalb der Grenze des Möglichen“ – kein geringeres Ziel setzt sich der in Berlin lebende Schweizer Komponist und Schlagzeuger Michael Wertmüller. Skip a beat ist ein Stück radikaler Respektlosigkeit gegenüber dem Material, der Überforderung von Interpreten und Hörern und extremer Virtuosität in der Darstellung polytemporaler Schichtungen und ständiger metrischer Verschiebungen – ein (vergeblicher) Versuch der „Bändigung des expressiven Rausches“. Der Belgier Stefan Prins, Jahrgang 1979, sucht die drastische Herausforderung jeglicher musikalischer Konvention. In seinem dreiteiligen Stück Flesh+Prosthesis #0-2, das Ensemble Nikel gewidmet ist, kreiert Prins aus der Dialektik stark bearbeiteter digitaler Samples und live gespielten Instrumentalklängen einen „multi-dimensionalen (hyper)-hybriden Körper“. Die aus Baschkirien stammende Russin Elena Rykova, geboren 1991, gehört zu den jüngsten Künstlerinnen des Festivals. Als experimentelle Komponistin und Improvisatorin schreibt sie Werke zwischen Musiktheater, Performance und Konzertinstallation. 101% mind uploading ist gewissermaßen eine medizinische Operation am offenen Konzerflügel – möge der Eingriff gelingen!

Ensemble Nikel:

Yaron Deutsch E-Gitarre
Patrick Stadler Saxophon
Brian Archinal Perkussion
Antoine Françoise Klavier

Programm:

Elena Rykova 101% mind uploading
Stefan Prins Flesh+Prosthesis #0-2
Michael Wertmüller Skip a beat
Clemens Gadenstätter Sad Songs


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