Neue Klassik · Diverse Musik

Ensemble Musikfabrik


Der Pionier der nordamerikanischen Just Intonation-Bewegung, der Komponist, Theoretiker, Visionär und Instrumentenbauer Harry Partch (1901-1974) hat ein hochkomplexes Tonsystem entwickelt, dass die Oktave in 43 ungleiche Tonschritte unterteilt. Die große Zahl an mikrotonalen Tonabständen machte die Realisierung seiner Musik auf herkömmlichen Instrumenten unmöglich.

Deshalb entwarf und baute Partch im Laufe seines Lebens ein umfangreiches Instrumentarium von eigenwilliger exotischer Schönheit. 2012 wurde der gesamte Instrumentenpark, von dem nur ein Original in den USA existiert, auf Initiative des Ensemble Musikfabrik nachgebaut: 40 Instrumentskulpturen – Saiten-, Schlag-, Glocken- und Harmonium-Instrumente sowie kleine Handinstrumente. So ist die Möglichkeit entstanden, die Musik von Partch auch in Europa live aufzuführen.

Das Ensemble Musikfabrik begnügt sich nicht damit, originale Werke von Partch aufzuführen. Mit dem Projekt pitch 43_tuning the cosmos werden junge Komponisten eingeladen, neue Werke für das Partch-Instrumentarium zu schreiben, so dass schrittweise ein frisches Repertoire, durchaus auch in Verbindung mit üblichen Instrumenten oder mit elektronischer Klangbearbeitung, entstehen kann. Bei KLANGSPUREN 2015 ist neben der Aufführung von And on the Seventh Day Petals Fell in Petaluma – ein spätes Hauptwerk von Partch, das alle Instrumente in wechselnden Kombinationen einsetzt –, die Uraufführung eines KLANGSPUREN-Auftrages von Klaus Lang zu hören. Das 35minütige Werk belässt es nicht bei der bloßen Fortschreibung der typischen Partch-Harmonik. Sie wird quasi in drei großen „Klangvitrinen“ ausgestellt, zwischen die Lang Übergänge gesetzt hat, die auf traditionellen europäischen Instrumenten gespielt werden. Was es mit dem merkwürdigen Werktitel frenhofer’s foot. (Frenhofer ist die Figur eines Malers in einer Erzählung von Honoré Balzac) auf sich hat, kann erst die Uraufführung erweisen. Zwischen dem Originalwerk von Partch und dem neuen Werk von Klaus Lang funktioniert das kurze Stück Korpus von Simon Steen-Andersen für 7 bis 8 Spieler auf 3 Partch-Instrumenten wie ein gelenkiges Intermezzo. Der dänische, in Berlin lebende Komponist, Steen-Andersen steht sehr erfolgreich an der Spitze der Bewegung von humorbegabten musikalischen Dekonstruktivisten bzw. Obstruktivisten jüngerer Generation.

Programm:

Harry Partch And on the Seventh Day Petals Fell in Petaluma
Simon Steen-Andersen Korpus
Klaus Lang frenhofer‘s foot. UA


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