Tanz

Ensemble La Daza - Armide


Die Vorlage für diese dramatische Geschichte ist die Oper Armide von J. B. Lully. Mit den Mitteln des barocken Balletts wird die Handlung nachgezeichnet, unterbrochen von Originalzitaten aus dem Libretto der Oper. Eines der Höhepunkte ist die Aufführung der berühmten Passacaille d’Armide.

Das Interesse am Orient wurde in früheren Jahrhunderten wesentlich durch die Kreuzzüge gespeist. Es entstanden neben zahlreichen Reiseberichten auch viele Ritterromane. Als zentrales Werk kann Torquato Tassos Epos „Gerusalemme liberata“ gelten, das den Kampf von christlichen Rittern und Muslimen zum Gegenstand hat. Dieses Epos fand eine riesige Verbreitung und inspirierte viele weitere Dichter und Librettisten zu eigenen Adaptionen der Vorlage Tassos. Einer von ihnen ist Philippe Quinault, der das Libretto zur Oper Armide schrieb und für die französische Oper mit all ihrer Prachtentfaltung, Bühnenmaschinerie und opulenten Balletten umgestaltete.

Zur Passacaille d’Armide

Die Passacaille aus der Oper Armide, die in diesem Programm aufgeführt wird, ist eines der Highlights des Historischen Tanzes. Wenn etwas aus dieser eher weniger gespielten Oper bekannt ist, dann ist es diese Passacaille. Davon zeugen schon die mehr als 20 Einspielungen, die es heute von dieser großartigen Musik gibt. Aber nicht nur über die Musik könnte man ins Schwärmen geraten, sondern auch über die hervorragenden Choreographien, die zu dieser Musik geschaffen wurden. Auch das ist bemerkenswert bei diesem Tanz, dass es gleich drei verschiedene Choreographien auf die gleiche Musik gibt, zwei verschiedene Soli für eine Tänzerin und einen Paartanz. Dieser Paartanz wird vom Ensemble La Danza München aufgeführt. Er stammt von dem genialen Anthony l’Abbé, einem französischen Theater-Tänzer, der an den englischen Königshof nach London gegangen war und es dort bis zum „Royal Dancing Master“ brachte. Seine Choreographie zeugt von hoher Musikalität und beinhaltet ein Feuerwerk der schönsten Barockschritte und –Sprünge.

In der Lully Oper wird die Passacaille von den personifizierten Vergnügungen („Les Plaisirs“) und den glücklich Liebenden getanzt. Sie unterhalten damit den Ritter Renault, der von der mächtigen Prinzessin und Zauberin Armide gefangen gehalten wird und beeinflusst durch ihren Liebeszauber glaubt, sie zu lieben. Armide ihrerseits weiß innerlich, dass die Liebesbeteuerungen des Renaud nur auf ihren Zauberkünsten beruhen und dass er, sobald ihr Zauber gebrochen würde, sie verlassen wird – was dann auch am Ende der Oper genauso geschieht. Die Passacaille spiegelt diese innere Situation der Armide mit großer Intensität wider: hohe Emotionalität, Sehnsucht und Pathos kommt zum Ausdruck ebenso wie das unausweichliche tragische Ende mit der g-Moll-Tonart und dem abstürzenden Sext-Sprung in der Musik gleich zu Beginn - großartiger Barocktanz!


Vergangene Termine