Alte Musik · Klassik

Ensemble Cantar Lontano


Der Kirchenraum wurde zur Musik, als sich in den italienischen Marken Anfang des 17. Jahrhunderts eine besondere Aufführungsweise entwickelte: Vokalisten und Instrumentalisten nahmen in Gruppen auf verschiedenen Emporen und Galerien Aufstellung, auf diese Weise entstand „Cantar lontano“, das „ferne Singen“. In Distanz zueinander, strömt die Musik auch aus verschiedenen Entfernungen zu den Hörern.

Das von Marco Mencoboni geleitete Ensemble Cantar Lontano hat diese Aufführungsform wieder belebt und findet dafür in der Jesuitenkirche mit den Arkaden und Emporen eine ideale Architektur vor.

Die vokale italienische Polyphonie mischt sich mit den instrumentalen Farben von Posaune, Zink und Orgel. Francesco Soriano, noch Sängerknabe in der römischen Lateranbasilika unter der Leitung von Palestrina, führte später als Komponist dessen neuen sakralmusikalischen Stil weiter, als er wichtige musikalische Ämter in Rom wie die Leitung der Cappella Giulia am Petersdom innehatte.

Seinen beeindruckenden sechsstimmigen Canon entdeckt das Ensemble Cantar Lontano neu für unsere Zeit. Soranos Stil wirkte bis in die römische Kirchenmusik des Hochbarock nach, als Alessandro Scarlatti eine Fülle von Messen in polyphoner Pracht schuf. Bevor sein Sohn Domenico sein enormes Claviersonaten-OEuvre komponierte, wirkte auch er als Opern- und Sakralmusikkomponist, vorwiegend in Rom, wo er zwei Jahrhunderte nach Soriano ebenfalls in der päpstlichen Cappella Giulia tätig war. Einen Höhepunkt der römischen Kirchenmusik stellt sein Stabat Mater für zwei fünfstimmige Chöre und Continuo dar, in dem die auf Palestrina zurückgehende polyphone Struktur mit einem hohen Maß an Expressivität verbunden ist.

Cantar Lontano:

Francesca Lombardi Mazzulli, Pamela Lucciarini,
Giorgia Cinciripi, Carmen Declara, Johanna Kapelari,
Barbara March, Nadja Qoku (Sopran)
Marta Fumagalli (Mezzosopran)
Iris Oja (Alt)
Andrea Arrivabene (Countertenor)
Gian Paolo Fagotto, Paolo Borgonovo (Tenor)
Marco Scavazza, Mauro Borgioni (Bass)
Julia Fritz (Zink)
David Yacus (Posaune)
Giacomo Barchiesi (Orgel)

Marco Mencoboni (Musikalische Leitung)

Programm:

Alessandro Scarlatti (1660–1725)
Messe F-Dur „Tutta in canone di diverse specie“, für 5 Stimmen

Francesco Soriano (1548 oder 1549–1621)
„Canone sopra il fine del soggetto“, für 6 Stimmen

Domenico Scarlatti (1685–1757)
„Stabat Mater“, für 10 Stimmen und Orgel


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