Alte Musik · Klassik

Ensemble Arte Musica


Nicht dann, wenn man wetten wollte; nicht im verjubelten Gesualdo-Jahr (400. Todestag), sondern just in dessen Nachhall hinein setzen wir eine vollständige Aufführung seines 5. Madrigalbuchs aufs Programm. Und zwar durch ein Ensemble, das bereits 2009 mit dem intimen Lauschangriff auf das «Concerto delle Donne» von Gesualdos zweitem Schwiegervater, des letzten Herzogs von Ferrara, Alfonso II. d'Este, Furore gemacht hat: Francesco Ceras Arte Musica kehrt in den Mozart-Saal zurück, um Sie extreme Madrigalkunst inhalieren zu lassen, wie man sie noch nie vernommen hat! Der in seiner Heimatstadt Neapel bis heute als monströser Spuk gefürchtete Doppelmörder Gesualdo war ein janusköpfiger Komponist. Hartnäckig hielt er in der Morgenröte monodischer Schreibweisen an der Mehrstimmigkeit fest und wand sich darin mit derart bitterer Chromatik, dass es jedem Spätromantiker den Atem gestockt hätte.

Ensemble Arte Musica, Ensemble
Francesco Cera, Cembalo, Leitung

Programm
Giovanni Maria Trabaci
Gagliarda quinta (1603))

Carlo Gesualdo da Venosa
Gioite voi col canto «Freut euch mit Gesang» / Madrigal (1611))
S'io non miro non moro «Wenn ich nicht schaue, sterbe ich nicht» / Madrigal (1611))
Itene, o miei sospiri «Flieget, o meine Seufzer» / Madrigal (1611))
Dolcissima mia vita «Mein allersüßestes Leben» / Madrigal à 5 (1611))
Giovanni de Macque
Consonanze stravaganti
Carlo Gesualdo da Venosa
O dolorosa gioia «O schmerzensvolle Freude» / Madrigal (1611))
Qual fora, donna «Was wäre Euch, Herrin» / Madrigal (1611))
Felicissimo sonno «Du überglücklicher Schlaf» / Madrigal à 5 (1611))
Se vi duol il mio duolo «Wenn mein Schmerz Euch Schmerzen bereitet» / Madrigal (1611))
Ercole Pasquini
Toccata del quarto tono
Carlo Gesualdo da Venosa
Occhi del mio cor vita «Ihr Augen, das Leben meines Herzens» / Madrigal (1611))
Languisce al fin chi da la vita parte «Er siecht dahin, wer da vom Leben scheidet» / Madrigal à 5 (1611))
Mercè grido piangendo «Weinend ruf' ich um Erbarmen» / Madrigal (1611))
O voi, troppo felici «O, ihr Überglücklichen» / Madrigal à 5 (1611))

Giovanni Maria Trabaci
Canzon franzese settima cromatica (1603))
Carlo Gesualdo da Venosa
Correte, amanti, a prova «Lauft mit mir um die Wette» / Madrigal (1611))
Asciugate i begli occhi «Trocknet Eure schönen Augen» / Madrigal (1611))
Tu m'uccidi, o crudele «Du tötest mich, Grausame» / Madrigal à 5 (1611))
Deh, coprite il bel seno «Oh, bedeckt Euren schönen Busen» / Madrigal (1611))
Canzon franzese del Principe (1596))
O tenebroso giorno «O finstrer Tag» / Madrigal à 5 (1611))
Poichè l'avida sete «Da dein heißer Durst» / Madrigal (1611))
Gagliarda
Se tu fuggi, io non resto «Wenn du fortgehst, bleibe ich nicht zurück» / Madrigal (1611))
T'amo, mia vita «Ich liebe dich, mein Leben» / Madrigal (1611))

«Aus einem Querkopf wird selten ein Versager», meint der schriftstellernde Kinder- und Jugendpsychiater Paulus Hochgatterer. Dieser Auffassung können wir uns nur anschließen. Querköpfe denken anders, leben unangepasst und stoßen auf Widerstand.

In Wissenschaft und Kunst sind sie, «die ewigen Kinder», oft identisch mit den verschrobenen Genies, die ja bekanntlich nah am Wahnsinn leben sollen. Einer von ihnen war der 1690 in Florenz geborene Komponist und Geigenvirtuose Francesco Maria Veracini, dessen Oper «Adriano in Siria» die «Resonanzen» 2014 und damit unsere Parade kreativer Störenfriede in der Musik vom Mittelalter bis zum Barock eröffnen wird.

In ihren verschiedenen Ausprägungen begegnen uns Querköpfe bei diesen «Resonanzen» aber nicht nur als schrullige bis durchgeknallte Komponisten vom Format eines Jan Dismas Zelenka, Carlo Gesualdo, Alexander Agricola oder William Lawes; sie mischen sich auch – mehr oder weniger diskret – unter die Ausführenden: Europa Galante, Hopkinson Smith, Hiro Kurosaki, Concerto Copenhagen und viele andere Publikumslieblinge machen gemeinsam mit den Debütantinnen und Debütanten des britischen Gambenconsorts Phantasm, der deutschen Capella de la Torre und des Prager Collegiums 1704 Front gegen den musikalischen Mainstream – damals und heute.


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