Oper · Theater

Elektra


Mit dieser ersten Wiederaufnahme der Saison 2020/21 steht Franz Welser-Möst zum ersten Mal seit 2014 wieder am Dirigentenpult der Wiener Staatsoper.

MUSIKALISCHE LEITUNG Franz Welser-Möst
INSZENIERUNG Harry Kupfer
SZENISCHE EINSTUDIERUNG Angela Brandt
BÜHNE Hans Schavernoch
KOSTÜME Reinhard Heinrich

Klytämnestra Doris Soffel
Elektra Ricarda Merbeth
Chrysothemis Camilla Nylund
Aegisth Jörg Schneider
Orest Derek Welton

»Wir müssen uns den Schauer des Mythos neu schaffen«, schrieb Hugo von Hofmannsthal 1903. Und:»Aus dem Blut wieder Schatten aufsteigen lassen.« 1903, das ist das Jahr der Uraufführung von Hofmannsthals »Elektra«-Tragödie, die zwar auf Sophokles basiert, aber eine Neudeutung des antiken Stoffes darstellt, denn Hofmannsthal begab sich mit den Mitteln der Moderne in die Nähe der bahnbrechenden psychologischen Studien Sigmund Freuds und Josef Breuers. Mit dem Komponisten Richard Strauss, der damals noch im Ruf des ereignishaften Erneuerers stand, wurde ausgehend von diesem Theatertext jene »Tragödie in einem Aufzug« geschaffen, die – uraufgeführt 1909 – den Auftakt zur langjährigen Zusammenarbeit der beiden Künstler darstellt. Elektra ist durch das Trauma der Ermordung ihres Vaters Agamemnon in ihrer Identität geborsten. Sie wird zur manischen Trägerin eines Rituals der Erinnerung.

Der Ermordete beherrscht auch die Szene der eindringlichen Inszenierung Harry Kupfers aus dem Jahr 1989. Die übergroße Statue des Vaters dominiert in Hans Schavernochs Bühnenbild das Geschehen: geköpft, aber nicht gestürzt, unter seinem Fuß eine Weltkugel. Harry Kupfer entwarf in seiner Regie das Bild einer auch destruktiven und manipulierenden Elektra, spannt die Figurenkonstellation kunstvoll auf, vermeidet das schablonenhafte Kategorisieren von Gut und Böse, zeigt die Verzweiflung, Einsamkeit und das Getriebensein der Täter. Mit dieser ersten Wiederaufnahme der Saison 2020/21 steht Franz Welser-Möst zum ersten Mal seit 2014 wieder am Dirigentenpult der Wiener Staatsoper.


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