Theater

Ein Volksfeind


Ibsens Stück ist 1882 als Angriff auf die aufkommende Profitgier in der Zeit des frühen Kapitalismus entstanden. Seine beißende Kritik an den korrupten Seilschaften einer profitorientierten Gesellschaft beschreibt das Spannungsverhältnis zwischen Fanatismus und Demokratie, zwischen Geld und Moral, zwischen Kosten und Nutzen und stellt die entscheidenden Fragen: Wer hat Recht? Und wer hat die Macht?

Endlich ein Silberstreif am Horizont. Das Kurbad, das die Brüder Thomas und Peter Stockmann – Kurarzt der eine, Stadtvogt der andere – aufgebaut haben, bringt endlich den ersehnten Aufschwung, Kurgäste bringen Geld in die Stadt, der Handel floriert. Da macht Thomas eine folgenschwere Entdeckung: Das sogenannte Heilwasser, das im Kurbad aus den Hähnen fließt, ist das reinste Gift. Verseucht von den Abwässern der Gerbereien stellt die Brühe sogar ein ernstes Gesundheitsrisiko dar. Ein herber Rückschlag für die ganze Stadt, doch Thomas sieht keine andere Möglichkeit: Im Interesse der Allgemeinheit muss das Bad geschlossen und die Wasserleitung neu gebaut werden.

Anfangs findet seine Forderung Gehör, einflussreiche Bürger und die lokale Zeitung sichern ihre Unterstützung zu und Dr. Thomas Stockmann sieht sich bereits als Retter der Stadt. Doch er hat nicht mit dem Widerstand seines Bruders Peter gerechnet: Nüchtern rechnet dieser vor, was Imageschaden und Neubau den Steuerzahler kosten werden und bringt so die öffentliche Meinung zum kippen. Doch Thomas ist zu keinem Kompromiss bereit. Längst geht es nicht mehr nur um das verschmutzte Kurbad allein: Er prangert die Gesellschaft als Ganzes an, weil sie wirtschaftliche Interessen über die Wahrheit stellt. Er spricht ihr Visionen und Ideale ab, und schließlich sogar die Fähigkeit zur Demokratie. Daraufhin erklärt die aufgebrachte Bürgerschaft den streitbaren Kurarzt kurzerhand zum Volksfeind.

Regie Susi Weber
Ausstattung Luis Graninger
Dramaturgie Christoph Batscheider
Licht Marcel Busa

Mit Martin Brunnemann, Antony Connor, Moritz Grabbe, Theo Helm, Herwig Ofner, Georg Reiter, Susanne Wende


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