Neue Klassik

Edu Haubensak / Ensemble Konstellation


Die Besonderheit des in Zürich lebenden Komponisten Edu Haubensak ist die parallele Arbeit in verschiedenen Stimmungen. Er ist ein Entdecker, Erforscher und Erfinder von Stimmungssystemen, die dann auf die Instrumente durch Skordatur, also durch Umstimmen, adaptiert werden. Für Klavier solo hat Haubensak in 10 unterschiedlichen Stimmungen komponiert. Mit den Schweizer Klavierbauern Gebrüder Bachmann hat er kongeniale Partner gefunden, um seine Intonationsideen umzusetzen. Collection I von 2005 und Collection II von 2014 stehen in der 10. Stimmung, die als Mischstimmung, chorisch verändert (schwarze Tasten), allverändert (weiße Tasten), nicht-äquidistant, nicht-oktavrepetierend beschrieben wird. Mit ihrer Uraufführung durch die Schweizer Pianistin Simone Keller ist der umfangreiche Zyklus Große Stimmung I – X vorläufig abgeschlossen. Spazio von 1993/1994 steht in der 2. Stimmung (äquidistant, chorisch sechsteltönig), die eine vibrierende, fremdartige Harmonik erzeugt. Allein die Beschreibung der einzelnen Stimmungen legt nahe, welche überraschenden, abenteuerlichen Klangräume mit jeweils eigentümlicher Atmosphäre entstehen. Ein ungewohntes Bild: eine Pianistin, die an zwei unterschiedlich gestimmten Flügeln spielt.

Das KLANGSPUREN-Finale liegt in den Händen des Ensembles Konstellation unter seiner bewährten künstlerischen Leiterin, der Geigerin und Dirigentin Ivana Pristašová. Die Musiker des Tiroler Landeskonservatoriums werden sich mit Werken von Giacinto Scelsi (1905-1988) und Louis Andriessen (*1939) zweier Klassiker der Moderne annehmen, mit antichesis von 2006 den diesjährigen Composer in Residence Beat Furrer ein abschließendes Mal würdigen und zu guter Letzt ein neues Werk des jungen Innsbruckers Manu Delago uraufführen.

Ein weiteres Mal steht der faszinierend wandlungsfähige Streicherklang im Mittelpunkt des Geschehens. Wo Furrer in antichesis vierzehn Musiker auf der Bühne verteilt, um ein feinnerviges Gespinst aus unterschiedlichsten Klangaktionen mit Phasen dramatischer Verdichtung zu konfrontieren, wo Louis Andriessen in seiner Sinfonie für leere Saiten (1978) in ungewohnten Streicherstimmungen verschiedenste Wiederholungsmuster sich überlagern lässt (die Sinfonie ist ein spannendes Pendant zu Gloria Coates’ Symphony No.1 „Music on Open Strings“ von 1974, die das Münchner Kammerorchetser am 11.09.2015 aufführt) , da erkundet Scelsi wie ein Besessener die Tiefendimension des einzelnen Tons mit all seinen klangfarblichen Möglichkeiten. Der in London lebende Innsbrucker Manu Delago wiederum fügt in seinem neuesten Werk Newton’s Rainbow den Streichern zwei solistische Partien hinzu, die recht ungewohnte Klänge ins Spiel bringen: Der Komponist selbst spielt das Hang, ein um 2000 erfundenes, mit den Händen zu bedienendes Metallinstrument aus Halbkugelsegmenten, in dessen Wölbungen Klangflächen eingearbeitet sind, karibischen Steel Drums nicht unähnlich. Etwa eineinhalb Jahrhunderte älter ist die Sarod, ein nordindisches Lauteninstrument mit drei Rhythmus-, vier Melodie- und achtzehn Resonanzsaiten, hier gespielt vom britischen Meistermusiker Soumik Datta.

Programm:

Edu Haubensak
Collection I UA
Spazio
Collection II UA

Simone Keller Klavier
Urs & Daniel Bachmann Klavierbau/Stimmung

Ensemble Konstellation

Beat Furrer antichesis
Giacinto Scelsi Natura renovatur
Manu Delago Newton's Rainbow UA
Hilde-Zach Förderstipendium der Stadt Innsbruck 2014
Louis Andriessen Symfonie voor losse snaren

Ensemble Konstellation:
Ivana Pristašová Leitung
Manu Delago Hang
Soumik Datta Sarod


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