Alte Musik · Klassik

Édouard Ferlet, Klavier


1937 schlug der Produzent Charles Delaunay in Paris ein neues Kapitel Interpretationsgeschichte auf, als er den Gitarristen Django Reinhardt und zwei Jazzgeiger einlud, den ersten Satz eines Violinkonzerts von Bach zu spielen. Bis in die unmittelbare Gegenwart reichen die vielfältigen Versuche, den improvisatorischen Charakter von Barockmusik im Jazz zu nutzen, und Édouard Ferlets eigenwilliges Album «Think Bach» gehört wohl zu den erstaunlichsten Neuzugängen auf diesem Gebiet.

Der Titel ist ein Seitenhieb auf den populären «‹Play Bach›-Jargon» Jacques Loussiers, dessen atmosphärischen Arrangements Ferlet die Stirn eines empathischen Denkers bietet: Er zerbricht sich nicht den Kopf über Bach, sondern spielt mit motivischen Versatzstücken, harmonischen Gerüsten und motorischen Gestängen aus seinem Werk einfach nur intelligenten Jazz.

Programm
«Think Bach»
Werke von J. S. Bach redesigned by É. Ferlet

«Aus einem Querkopf wird selten ein Versager», meint der schriftstellernde Kinder- und Jugendpsychiater Paulus Hochgatterer. Dieser Auffassung können wir uns nur anschließen. Querköpfe denken anders, leben unangepasst und stoßen auf Widerstand.

In Wissenschaft und Kunst sind sie, «die ewigen Kinder», oft identisch mit den verschrobenen Genies, die ja bekanntlich nah am Wahnsinn leben sollen. Einer von ihnen war der 1690 in Florenz geborene Komponist und Geigenvirtuose Francesco Maria Veracini, dessen Oper «Adriano in Siria» die «Resonanzen» 2014 und damit unsere Parade kreativer Störenfriede in der Musik vom Mittelalter bis zum Barock eröffnen wird.

In ihren verschiedenen Ausprägungen begegnen uns Querköpfe bei diesen «Resonanzen» aber nicht nur als schrullige bis durchgeknallte Komponisten vom Format eines Jan Dismas Zelenka, Carlo Gesualdo, Alexander Agricola oder William Lawes; sie mischen sich auch – mehr oder weniger diskret – unter die Ausführenden: Europa Galante, Hopkinson Smith, Hiro Kurosaki, Concerto Copenhagen und viele andere Publikumslieblinge machen gemeinsam mit den Debütantinnen und Debütanten des britischen Gambenconsorts Phantasm, der deutschen Capella de la Torre und des Prager Collegiums 1704 Front gegen den musikalischen Mainstream – damals und heute.


Vergangene Termine