Tanz · Theater

Editta Braun Company - Planet Luvos


Virtuos: Konzertpianistin AyseDeniz arrangiert und interpretiert Kompositionen von Thierry Zaboitzeff in der für sie typischen, unerhört eigenwilligen Weise auf dem Flügel. Verstörend: Fünf Tänzerinnen treten als „bodies in concert“ auf der Bühne in einen Live-Dialog mit dieser Musik und scheinen damit den Klängen Körper zu verleihen und das Innere der Musikerin nach außen zu kehren.

Beklemmende Realitäten und Ängste, aber auch eine Ahnung von der Sehnsucht nach Bewegung in Freiheit, treten als Gestalt gewordene Gedanken und Gefühle auf den Plan. Die bewegten Körper der fünf Tänzerinnen bilden einzeln, paarweise oder als scheinbar unentwirrbares Agglomerat von Gliedmaßen befremdliche Kreaturen. Sind sie Alter Egos der Pianistin oder verdrängte Aspekte ihrer Seele? Während sie spielt, werden diese Wesen zu ihren Mit- und Gegenspielerinnen, lassen sich durchdringen von der dichten, mächtigen Live-Musik, werden getragen oder gequält, gehetzt oder befreit, leisten Widerstand – und wirken zurück. Denn ihr Erscheinen lässt die Musikerin nicht ungerührt …

Dabei bekommen Körper und Musik, visuelle und akustische Kunst sowohl je eigene als auch gemeinsame Momente auf der Bühne. „Orchestrierte“ Passagen wechseln mit „Soli“, in der Begegnung der beiden nonverbalen Künste werden Möglichkeiten einer gemeinsamen abstrakten „Sprache“ erkundet, welche der Subjektivität des Betrachters Raum gibt. Im Zusammenspiel und kontrastiven Wettstreit der (syn-)ästhetischen Elemente besteht die besondere Herausforderung dieser Arbeit. Vieldeutigkeit, Verunsicherung gewohnter Wahrnehmungmuster, Anregung der Fantasie und stetige Überraschung sind Programm.

Seit Beginn ihrer Arbeit als Choreografin hat Editta Braun mit ihrer Kompanie in der Reihe der sogenannten „Luvos“-Produktionen (1985, 2001, 2012) immer wieder Faszination und Irritation in der Wahrnehmung bewegter menschlicher Körper erzeugt. Unkonventionell eingesetzt in überraschenden Konstellationen, Ausschnitten und Blickwinkeln, geraten Torso und Gliedmaßen in Bewegung zu ungeahnten, so nie gesehenen Bildern des Lebenden, das gewissermaßen vom ganzen Menschen abstrahiert erscheint. Die szenische Fantasie „CLOSE UP“ entwickelt die erprobten tänzerischen Mittel der editta braun dance company weiter und setzt sie in einen neuen Kontext.


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