Theater

Drei Schwestern


Timofej Kuljabin gastiert erstmalig bei den Wiener Festwochen.



Timofej Kuljabin wachte eines Morgens auf und war berühmt – seine Nowosibirsker Tannhäuser-Inszenierung wurde von der russischen Opernkritik einhellig gefeiert und war doch zugleich Gegenstand eines in der russischen Geschichte beispiellos skandalösen Verfahrens von Theaterzensur, das schließlich zur Absetzung seiner Inszenierung führte.
Seine jüngste Arbeit erforscht Tschechows Theater, geht der Kraft seiner Sprache auf den Grund und entwickelt gerade daraus eine erstaunliche Gegenposition: Die meist hochtrabend-pathosreich interpretierten Helden müssen bei ihm ganz ohne gesprochenen Text auskommen. Sie unterhalten sich einzig in Gebärdensprache miteinander, der Originaltext läuft still als Übertitel und vermittelt Theaterpuristen spöttisch: Da, lest den unberührten Tschechow-Text!
Die so von jeder falschen Intonation befreiten Worte eröffnen einen ganz neuen Blick auf die Beziehungen der Figuren, schaffen unerwartet neue Bedeutungsebenen und versetzen einem manisch auf Textinterpretation fixierten Theater einen vernichtenden Schlag.

Einzig der stocktaube Amtsdiener Ferapont darf in dieser Inszenierung sprechen. Mit der gerade wieder erwachenden Diktion der Sowjet-Ära ist er ganz und gar heutige Figur. Alle anderen verletzlich-feinsinnigen Helden sind ebenso präsent und bleiben dennoch Figuren einer vergangenen, uns immer mehr entrückenden Welt.

Inszenierung Timofej Kuljabin
Bühne Oleg Golowko
Licht Denis Solntsew

Andrej Sergejewitsch Prosorow Ilja Musyko
Nikolai Lwowitsch Tusenbach Anton Woynalowitsch
Natalja Iwanowna Claudia Kachussowa, Valeria Kruchinina
Olga Irina Kriwonos
Mascha Darja Jemeljanowa
Irina Linda Achmetsjanowa
Fjodor Iljitsch Kulygin Denis Frank
Alexej Petrowitsch Fedotik Alexej Meschow
Alexander Ignatjewitsch Werschinin Pawel Poljakow
Wassili Wassiljewitsch Soljony Konstantin Telegin
Iwan Romanowitsch Tschebutykin Andrej Tschernych
Wladimir Karlowitsch Rode Sergej Bogomolow
Ferapont Sergej Nowikow
Anfissa Elena Drinewskaja


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