Literatur

Drago Jancar: Die Nacht, als ich sie sah


Ich verstand, dass etwas begonnen hatte, was schon die ganze Zeit unausweichlich war. Als wir die Save entlangritten und die Pferde am Waldsaum am Zügel führten. Als wir im Gras saßen und über Pferde sprachen, die einmal klein waren wie Hunde und nun groß sind, klug und freier als der Mensch. Denn der Mensch ist nicht frei, sagte sie, ich jedenfalls nicht.“

Der neue Roman von Drago Jancar verbindet politische und private Geschichte mit den existentiellen Fragen des Menschseins: In einer Nacht, kurz nach Neujahr 1944, führt eine Gruppe von Tito-Partisanen Veronika Zarnik und ihren Mann Leo aus ihrem Schloss in Slowenien ab, von da an verlieren sich ihre Spuren. Aus den Erinnerungen von fünf Personen setzt sich das Bild einer schillernden jungen Frau zusammen und zeigt sie als Pilotin und Liebhaberin von Papageien, Alligatoren und Pferden.

Der Offizier, die Mutter, der deutsche Wehrmachtsarzt, die Haushaltshilfe, der Partisan erzählen von einer haltlosen Lebensfreude, die jenseits des politischen Geschehens ein privates Idyll aufrechtzuerhalten sucht – bis der Verlauf der Geschichte diese Illusion zunichte macht.

Drago Jancar ist einer der wesentlichen zeitgenössischen Autoren seines Landes; seine Romane, Essays und Stücke wurden in viele Sprachen übersetzt. Geboren 1948 in Maribor, studierte er Jura, war PEN-Präsident und hat sich mit seiner publizistischen Tätigkeit gegen die ehemalige jugoslawische Regierung gestellt. Heute lebt er in Ljubljana als vielfach (u.a. mit dem Jean-Amery-Preis) ausgezeichneter Autor. „Die Nacht, als ich sie sah“ ist im Folio Verlag erschienen.


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