Literatur

Dragan Velikic - Bonavia


Belgrad, um die Jahrtausendwende: Der Krieg in Jugoslawien liegt gerade so lange zurück, dass er noch auf alles seinen Schatten wirft. Alle treibt die gleiche Frage um: Bleibt man, oder ist es besser zu gehen?

Marko, verhinderter Literat, besucht seinen Vater Miljan in Wien, der ihn vor Jahren in Serbien zurückgelassen hat. Marija, seine Frau, die Lebenskünstlerin, lässt sich treiben. Ihre Freundin Kristina unterhält sich mit ihrer verstorbenen Jugendliebe. Zufällig kommen die drei zum gleichen Zeitpunkt nach Wien, und diese Reise wird für alle zum schicksalhaften Wendepunkt. Dragan Velikic erzählt von einer Generation, die den Zerfall ihres Landes miterlebt hat und sich neu orientieren muss - und von der unentrinnbaren Macht der Familie.

Dragan Velikic, 1953 in Belgrad geboren, war einer der wichtigsten kritischen Journalisten der Miloševic-Zeit. Von 2005 bis 2009 war er Botschafter Serbiens in Österreich. Seine zahlreichen Romane wurden in 15 Sprachen übersetzt, zuletzt erschien "Das russische Fenster" (2008). Er publiziert in vielen europäischen Zeitschriften, u. a. in Die Weltwoche, Frankfurter Allgemeine Zeitung und Die Zeit.

"Von den wahrhaftigen Lügen Serbiens, einst und jetzt... 'Bonavia' heißt sein neuer Roman vieldeutig, und es lässt sich nach der Lektüre nicht behaupten, dass Velikic' Heimat in den letzten Jahren auf gutem Weg ist. Serbien wirkt in diesem Buch wie ein ewiges Provisorium. Es ist ein Ort der Erfindung, an dem sich das Volk seine Genealogie immer wieder neu ausdenkt und das Menschen wie Romanhelden hervorbringt. Dass umgekehrt seine Romanhelden wie wirkliche Menschen aussehen, ist die große Kunst des Dragan Velikic... Da wie dort: Grenzen werden überschritten, Grenzen entstehen, es gibt Beziehungen, Bindungen. Vor allem aber: Etwas zerfällt. Und das macht den morbiden Charme von 'Bonavia' aus. Dieses Buch will nicht auf Teufel komm raus ein Kommentar zur politischen Lage Serbiens sein; es ist wie ein Blick auf ein verblichenes Familienfoto. Wie von fern schauen uns die Figuren an, und auch der Schnörkelgardinenstil des Romans passt zu den stufenlosen Übergängen zwischen den Zeiten, zwischen Wirklichkeit und Erfindung." (Die Welt)

Dragan Velikic, Bonavia, Hanser Berlin Verlag, 2014
http://www.hanser-literaturverlage.de/


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