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Donaufestival Krems


Das Donaufestival Krems für zeitgenössische Kunst und Kultur geht auch 2019 wieder an den Start.

Es heißt, die Gesellschaft ist gespalten oder zumindest pluralisiert. Ganz ohne Gesellschaftsvertrag würden politische Stämme und Egomonster das Kommando übernehmen. Ist die Vorstellung eines sozialen Verbunds am Ende oder baut sich die Gesellschaft bloß um? In der Rede von der New Society steckt der Hinweis, dass sich die Gesellschaft nicht einfach verabschiedet.

In der Gesellschaft von morgen kommunizieren aber nicht nur Menschen mit Menschen und anderen Tieren, sondern auch mit Maschinen - und Maschinen mit anderen Maschinen.
Gesellschaft: Das war ein Lieblingsbegriff der Sixties.

Er steht auch im Zentrum zweier Werke, die schon im Titel auf die Lebensstilrevolte von 1968 anspielen. fABULEUS/ Michiel Vandevelde fragen in ihrem erstmals in Österreich zu sehenden Stück Paradise Now (1968-2018) nach revolutionären Potenzialen, die aus der Vorlage der Anarcho-Truppe The Living Theatre ins Hier und Jetzt ragen, während der rasante Found Footage-Film Ne travaille pas (1968-2018) von César Vayssié wie ein situationistisches Update zum Hashtag „Die Gesellschaft des Spektakels“ wirkt.
Die gefeierte Theatergruppe El Conde de Torrefiel, bekannt durch irritierende Arbeiten über die brüchige Verfasstheit der (west)europäischen Gesellschaft, präsentiert in Krems die Uraufführung der performativen Installation KULTUR.

Der bildende Künstler Jonas Staal erforscht in der im museumkrems gezeigten Ausstellung Steve Bannon: A Propaganda Retrospective, Model Bannons Bildwelten über die Zyklen des Bösen, die der ehemalige Berater von Donald Trump seit 2004 in Vorbereitung einer neuen, rechtspopulistischen Gesellschaft geschaffen hat.
Am Festivalgelände selbst sind Installationen und Videos von James Bridle, Mohamed Bourouissa oder Lola Gonzàlez zu sehen.
Stefan Kaegi/Rimini Protokoll und der Autor Thomas Melle platzieren in Unheimliches Tal/Uncanny Valley (Österreichische Erstaufführung, Koproduktion) einen robotischen Doppelgänger von Melle auf der Bühne, der den Status des Menschlichen in der datengetriebenen Netzwerkgesellschaft befragt.
Ligia Lewis transformiert in ihrem vielbeachteten Stück Water Will (in Melody) das „weiße“ Genre des Melodrams zu einer Slapstick-Fantasie aus schwarzem Latex und weißen Handschuhen (Österreichische Erstaufführung, Koproduktion).
Der Soundtrack des donaufestivals 2019 feiert die Kraft der Musik und ihre Fähigkeit, die Stellung von Individuen und Gruppen in von Verwerfungen gekennzeichneten Gesellschaften zu verhandeln:
vom eröffnenden Tribalismus von Yonatan Gat & The Eastern Medicine Singers bis zum abschließenden eleganten Rap der Musikerin und Lyrikerin Kate Tempest.
Dazwischen finden sich Härteeinlagen von Nadja, Guttersnipe, Godflesh oder Årabrot genauso wie die Schlagzeugkompositionen von Katharina Ernst oder die schwelgerischen Songs von Flotation Toy Warning.

Weitere Höhepunkte könnten der Cosmic Jazz des Alleskönners Ben LaMar Gay, der Synthie-Minimalismus von Punctum, der harsche Techno von Giant Swan, die rituellen Exorzismen von Lingua Ignota, der verstörende Electro-Pop von Shortparis, die sanften Ambient-Drones von Rafael Anton Irisarri, der „Black Noise“ von Khalab und Nkisi oder die Auftritte von Anna von Hausswolff, Holly Herndon, Planningtorock, Yves Tumor und Lonnie Holley bescheren.

Das Überraschungsformat Stockholm-Syndrom entführt auch heuer wieder viermal an unbekannte Orte. Die auftretenden Künstler*innen werden vorab nicht bekanntgegeben.
Das künstlerische Programm wird auch 2019 von einer Diskurs-Schiene zum Leitmotiv New Society begleitet: Vier Talks – mit Jonas Staal, Heinz Bude und Isolde Charim, Helen Hester und Black Quantum Futurism – sind dazu im Kino im Kesselhaus angesetzt.


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