Pop / Rock · Literatur · Kunstausstellung · Diverse Musik

Donaufestival 2015


Die Auseinandersetzung mit zentralen globalen Überlebensthemen, die anlässlich der letztjährigen Festival-Ausgabe „10 years redefining arts“ begonnen wurde, zieht sich auch als roter Faden durch das diesjährige Programm des donaufestival.

Obwohl Kunst niemals das Fehlen politischer Theorie und Utopie ersetzen kann, trägt sie - wie François Léotard bereits in den 1980er Jahren konstatiert hat - enorme Inspirationsquellen für die Veränderungen von Lebensrealitäten in sich. Angesichts veränderungsresistenter politischer wie ökonomischer Systeme, die von Ausbeutung, Ausgrenzung, Unterdrückung, Vertreibung, Terror, Krieg und ökologischer Vernichtung geprägt sind, lässt uns das, was wir gemeinhin als Kunst bezeichnen, eine mögliche andere Welt erahnen, die möglicherweise echte Welt.

Da es angesichts des drohenden Abgrundes nicht darum gehen kann, die tradierten Systeme so genannter zivilisierter Gesellschaften zu modifizieren, müssen wir - um zu überleben - erlernte Strukturen radikal in Frage stellen, ablegen und neue Modelle des Denkens, Empfindens und Verhaltens entwickeln.

An zwei Wochenenden haben wir KünstlerInnen aus sehr unterschiedlichen Genres in Krems versammelt, deren Arbeiten das Potential in sich tragen, Welterklärungsmodelle in Frage zu stellen, tradierte Strukturen zu attackieren aber auch die Kraft besitzen, utopische, neue Gedanken- und Erlebnismodelle zu evozieren.

Das reicht von der kritischen Auseinandersetzung mit den Mechanismen und Systemen von Waffenhandel bei Rimini Protokoll über die Reizüberflutungsorgie zwischen virtueller und realer Welt bei Miss Revolutionary Idol Berserker, Kim Nobles grausam-komische Stalker-Parallelwelt, den ökologisch-sozialen Exorzismen eines Reverend Billy und die politischen Buchperformances von Proll Positions bis hin zu Claudia Bosses erstem Schritt zu einem idealen Paradies oder Pipilotti Rists raumgreifenden Bilderfluten. Das musikalische Gewebe des Festivals führt uns in Welten der Verweigerung und des Widerstandes wie auch in akustische Idealwelten, queere, antidualistische wie anarchische Klang-Statements, unter anderem mit Godspeed You! Black Emperor, Autechre, Nils Frahm oder Arca und Jesse Kanda.

Lassen wir uns mit unseren KünstlerInnen darauf ein, die starren Systeme in unseren Köpfen und Herzen zu zertrümmern, um aus dem Schutt eine utopische neue Welt zu bauen!

(Tomas Zierhofer-Kin, Künstlerischer Leiter donaufestival)


Vergangene Termine