Vortrag

Diskussion: Europa in Krise und Krieg


Diskussion: Europa in Krise und Krieg
mit Michael Pröbsting und Winfried Wolf

Am Beginn der Ukraine-Krise stand ein Assoziierungsabkommen, bei dem die Ukraine Ja zu EU und Freihandel und Nein zur Kooperation mit Russland sagen sollte. Kiew lehnte ab. Die Regierung wurde gestürzt und ein Regime mit Nationalisten und Faschisten in Ministersesseln etabliert, deren erste Amtshandlung darin bestand, Russisch als zweite Amtssprache in den Gebieten mit mehrheitlich russisch-sprachiger Bevölkerung abzuschaffen. Die EU erreichte ihr Ziel: eine Ukraine als Beute von EU-Konzernen und Banken. Ein Land, das sich im Bürgerkriegs-Modus befindet. US-Söldner, die verdeckt agieren. Nato-Truppen, die ins Baltikum, an die russische Grenze verlegt werden. Trotz der Warnungen von zwei deutschen Altbundeskanzlern vor einem neuen großen Krieg: Washington, Berlin und Wien drehen weiter an der Eskalations-Spirale.

Die Ukraine-Krise entwickelt sich nicht zufällig vor dem Hintergrund der massiven Krisentendenzen in der EU: Rekordarbeitslosigkeit EU-weit, Rekordverschuldung im EU-Durchschnitt, eine tiefe Euro-Krise und eine verarmte Peripherie, die sich von Jahr zu Jahr in Richtung EU-Zentrum frisst. Griechenland (2010), Spanien und Irland (2011), Portugal (2012), Zypern (2013), Italien (2014) … und Frankreich – 2014/2015?

Seit es verlässliche Statistiken gibt, seit 1800, mündete die kapitalistische Konjunktur 26mal in Krisen. Es gab bereits vier historische, besonders tiefe Krisen: 1853, 1873, 1929 und 2008. Im Durchschnitt ereigneten sich die kapitalistischen Krisen alle sieben bis zehn Jahre. Dabei war der jüngere Krisenmodus erstaunlich gleichmäßig: 1974/75, 1981/82, 1991, 2000/2001, 2008/2009. Die nächste Krise – sie kommt noch sicherer als das Amen in der Kirche. Und die Rahmenbedingungen, in denen sich eine zukünftige Krise entwickelt, sind – wie skizziert – ausgesprochen dramatisch.

„Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Kommunismus“. Heute muss der Satz aus dem Kommunistischen Manifest lauten: Ein Gespenst geht um im globalisierten Kapitalismus: Das Gespenst des „Ya basta! – Es ist genug!“ Notwendig ist die Entwicklung einer Alternative zum Europa der Bosse und Banker, der EU mit Krise, Konkurrenz & Krieg. Erforderlich sind konsequente Abrüstung, radikale Verkürzung der Arbeitszeiten und globale Solidarität.

Zu den Teilnehmern:

Winfried Wolf ist Chefredakteur von „Lunapark21 – Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie“ und verantwortlicher Redakteur der „Zeitung gegen den Krieg – ZgK“. Er war 1994-2002 deutscher Bundestagsabgeordneter der PDS. Wolf ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac. Seine jüngeren Buchveröffentlichungen: „Sieben Krisen – ein Crash“ (Promedia, Wien 2009); „Verkehr. Umwelt. Klima“ (Promedia, Wien, 2007 und 2009), „Stuttgart 21 – Wem gehört die Stadt“ und „Stuttgart – Die Antwort auf Heiner Geißler“ (jeweils Mitherausgeber; Köln 2010 und 2011)) und (zusammen mit Bernhard Knierim) „Bitte umsteigen! 20 Jahre Bahnreform“ (Schmetterling, Stuttgart, 2014).

Michael Pröbsting ist Chefredakteur der Website www.thecommunists.net sowie Redakteur der Monatszeitung BEFREIUNG. Im Frühjahr 2014 erschien sein neuestes Buch „Der große Raub im Süden. Ausbeutung im Zeitalter der Globalisierung“ im Promedia Verlag. Ebenso ist er Mitverfasser von „Rosa Luxemburg – ‚Ich bin ein Land der unbeschränkten Möglichkeiten‘” (Wien 1999) sowie des englisch-sprachigen Buches „The Credit Crunch – A Marxist Analyses“ (London 2008). Andere Buchveröffentlichungen: „Marxismus, Migration und revolutionäre Integration“ (Wien 2010), „Lehren und Perspektiven des arabischen Aufstandes“ (Wien 2011), „The Great Robbery of the South“ (Wien 2013) sowie „Cuba‘s Revolution Sold Out?“(Wien 2013).

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