Pop / Rock

Dillon


„The Unknown“ heißt nicht nur der erste Song, den sie für ihr gleichnamiges zweites Album geschrieben hat, Dillon thematisiert hier die Instanz im Leben, für die es keinen Namen, keine Beschreibung, keine Grenzen gibt.

Nach einem rauschenden Dröhnen ertönt nicht nur der erste Piano-Ton von „The Unknown“, sondern auch die Stimme von Dominique Dillon de Byington. Da ist es wieder, dieses einzigartige Timbre der jungen in Berlin lebenden Künstlerin, die mit ihrem 2011er Debütalbum „This Silence Kills“ auf BPitch Control sowohl Musikpresse als auch Feuilleton gleichermaßen verzückte.

Mit Songs wie „Tip Tapping“, „Thirteen Thirtyfive“ oder „You Are My Winter“ hinterließ die gebürtige Brasilianerin nicht nur in der Indie-Szene ihre Visitenkarte: „This Silence Kills“ war lieblich und anziehend genug, um sich als Pop-Platte mit Singer/ Songwriter-Leidenschaft zu etablieren und ausreichend experimentell, um als Kunst- Projekt ernst genommen zu werden. Von Chanson-Pop war die Rede, von sinnlicher Elektronik und einer Stimme, die mit Feist, Björk oder Joanna Newsom verglichen wurde. Es folgten zwei ausverkaufte Tourneen und zahlreiche Festival-Gigs auf der ganzen Welt – ein Leben on the road. Für Dillon absolutes Neuland.

„The Unknown“ heißt nicht nur der erste Song, den sie für ihr gleichnamiges zweites Album geschrieben hat, Dillon thematisiert hier die Instanz im Leben, für die es keinen Namen, keine Beschreibung, keine Grenzen gibt. Das Unbekannte kann alles sein: die Sehnsucht, die Liebe, der Verlust, die Vergänglichkeit, die Angst oder das Verlangen. Passend zum Cover-Artwork von „The Unknown“ präsentieren sich die zwölf neuen Stücke direkter, natürlicher und freimütiger: „Die Texte sind viel abstrakter und offener, obwohl sie genauso persönlich und introvertiert sind“, sagt Dillon über die im Mai bis November 2013 entstandenen Songs. Stücke wie „In Silence“ oder „4ever“ sind bisweilen schwermütig, sie verströmen diese Versunkenheit, die keineswegs immer als melancholisch diffamiert werden muss.

War der Großteil des Debüts mit all seinen Melodien und Arrangements bereits vor der Aufnahme fertig, ist „The Unknown“ mehr als konzeptuelles Werk entstanden, wobei es trotz der neuen Arbeitsweise als Sequel zu „This Silence Kills“ verstanden werden muss. Innerhalb von drei Wochen wurde im gleichen Studio und sogar im gleichen Raum von Clouds Hill Recordings in Hamburg der Grundstein für Album Nummer zwei gelegt. Abermals arbeitete sie mit Thies Mynther (Phantom/Ghost) und Tamer Fahri Özgönenc (MIT) zusammen: „Ich habe keinen Sinn darin gesehen mit jemand anderen zusammenarbeiten. Wir haben damals einen Dialog begonnen, der in meinen Augen noch nicht zu Ende besprochen war.“

Das Ergebnis dieser kreativen Zwiegespräche ist ein narratives Kleinod, das auf die elegischen Ecken und Kanten nicht verzichten will. Ob die balladeske Vorab-Single „A Matter Of Time“ oder das kammermusikalische „Forward“ – Dillon stellt ihre eindrucksvolle Stimme auf „The Unknown“ noch mehr in den Vordergrund. Das Piano ist nicht nur auf nahezu jedem Song zu hören, sondern verbreitet eine ungeheure Tiefe, die die spielerische Naivität des Debüts komplementiert. Auch wenn die Bassdrum auf dem wundervollen „Into The Deep“ als Silhouette ihre Kreise zieht oder das Clubmusik-infizierte „Nowhere“ den elektronischen Unterbau weiterdenkt, ist „The Unknown“ puristischer, hintergründiger und ganz sicher kein Dance-Album.

„Ich habe Gedichte geschrieben. Für mich sind das alles Gedichte, die ich nun singe. Das Album ist vielmehr ein Hör- und Malbuch als ein klassisches Album“, sagt die 25jährige über „The Unknown“. Es kann alles so simpel sein: Ein Klavier, eine Stimme und eine Geschichte – das sind die Elemente, die Dillon ausreichen, um ihre Magie zu verbreiten. Eine Magie, die das Drama genauso kennt wie das Lamento oder die selbstbewusste Zurschaustellung der persönlichen Narben sowie zweifelnden Gedanken. „The Unknown“ ist ein dichtes, gar kompaktes Werk einer außerordentlichen Künstlerin, deren Weg gerade erst begonnen hat. Oder wie bereits Antoine De Saint-Exupery sagte: Die Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.


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