Theater

Diese Bretter sollen brennen!


Hassgesänge und Liebeslieder auf das Theater aus zweitausendfünfhundert Jahren.

Von Aischylos bis Thomas Bernhard haben viele Menschen, die das Theater kennen und lieben, viele böse Dinge über das Theater gesagt und sogar gesungen. Am lautesten schimpfen die Schauspieler. Und doch steckt in jedem Fluch eine kleine Liebeserklärung, denn wie in jeder richtigen Beziehung: Man kann nicht mit, aber auch nicht ohne seine Liebe leben!

Mit Liedern, Szenen und Texten aus der- und über die Theaterwelt nehmen wir uns selbst auf die Schaufel. Große Geister wie Nestroy, Goldoni, Qualtinger und Kästner verschaffen sich gewaltig Luft, aber auch Kleindarsteller ballen ohnmächtig die unterbeschäftigten Fäuste. Vom Direktor bis zur Souffleuse kriegen alle ihr Fett weg und natürlich auch das p. t. Publikum!

Inszenierung: Marcus Ganser und Bruno Max

KRITIK

Zur Saisoneröffnung an der Wiener Scala müssen sich die Schauspielerinnen und Schauspieler ganz schön reintheatern, um der Hassliebe zu ihrem Beruf beredten Ausdruck zu verleihen. Zusammengestellt haben dieses singende, klingende und gute Laune bringende Potpourri Hausherr Bruno Max und Komödien-Spezialist Marcus Ganser. Als Grundlagen dienten ihnen dabei Texte aus zweieinhalb Jahrtausenden der (Theater)geschichte, von Aristophanes bis Helmut Qualtinger, unter besonderer Bevorzugung Ephraim Kishons – immerhin sind gleich vier der kurzen Szenen in dieser Programmfolge von seinen Worten inspiriert.
Auf einer Bühne, die mit Plakaten von früheren Scala-Inszenierungen zutapeziert wurde, kriegt wirklich jeder, der nur das Geringste mit dem Theater zu tun hat, sein Fett weg: seien es Knattermimen, Knallchargen oder Kritiker - und sogar eine moderate Publikumsbeschimpfung aus der Feder Kurt Tucholskys ist enthalten. Gehobene Töne eines Goethe und Schillers werden hier durch Slapstick-Nummern der Monty Pythons abgelöst und für die Dauer von ein paar Sätzen darf auch Bernhards „Theatermacher“ Grant verbreiten.
Wenn sich die sieben Beteiligten nicht gerade selbst verkörpern, haben sie ein breites Repertoire abzudecken: so spielt z.B. Bernie Feit, der nach seiner anfänglichen Verlautbarung eigentlich Michael Heltau sein müsste, einmal sogar Shakespeare und ganz zuletzt das Banjo (welches die schwierigere Aufgabe war, könnte nur er selber uns verraten). Jörg Stelling offenbart sich hingegen als staatstragender Großschauspieler, ohne den die heimische Theaterszene längst zusammengebrochen wäre und verrät uns seinen zweiten exaltierten Vornamen. Irena Halenka tritt wiederum besonders eindrucksvoll als Mädel aus dem Burgenland in Erscheinung, das an den falschen Schauspiellehrer gerät.
Einige der rund 30 Szenen – wie etwa Loriots „An der Opernkasse“ – sind uns so vertraut, dass wir gleich selber auf die Bühne gehen könnten, um mitzusprechen. Natürlich sollten wir das eher bleiben lassen – das Ensemble sucht zwar Sponsoren (wie es in einem launigen Schlussgesang verlautbart), aber bestimmt keine Spiel-Verderber. Allerdings müssen die Scala-Leute sowieso geduldige Menschen sein, weil sie in nächster Zeit vermutlich ständig Feuerversicherungen aufgeschwatzt bekommen werden. Das hat man davon, wenn man einen solchen Titel wählt.
(franco schedl)


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