Theater

Die Wildente


Im Kreise der Familie wird die philosophische Frage verhandelt, ob es den Menschen besser geht, wenn unangenehme Wahrheiten über ihr Leben ans Licht kommen. Oder lebt es sich glücklicher mit einer Lebenslüge?

Hjalmar Ekdal hat sich mit seiner Frau Gina, der heranwachsenden Tochter Hedvig und seinem Vater, trotz ihrer bescheidenen öko­nomischen Verhältnisse, eine ­familiäre Idylle geschaffen. Die Dachgeschoßwohnung wird zugleich als Atelier für seine Arbeit als Fotograf genutzt. Gina kümmert sich um die laufenden Aufträge und den Haushalt, während Hjalmar die meiste Zeit auf seine bahn-
brechende Erfindung verwendet.

Nicht zuletzt, um damit seinen Vater, einen ehemaligen Leutnant, der wegen Betrugs im Gefängnis saß, zu rehabilitieren. Dem alten Ekdal haben sie im angrenzenden Dachboden eine Natur-Fluchtwelt erschaffen. In diesem Jagdparadies lebt neben Tauben, Hühnern und Hasen auch eine angeschossene Wildente, die Hedvig innig liebend pflegt.

Die Familienidylle wird jäh gestört, als nach vielen Jahren der Abwesenheit Hjalmars Jugendfreund Gregers Werle heimkehrt und ihn zum Willkommensempfang seines Vaters, dem Großhändler Werle, einlädt. Früher waren die Väter Geschäftspartner. Seit dem Betrugsfall sprechen sie kaum noch ein Wort miteinander. Gregers erfährt von Hjalmars Heirat mit Gina, dem früheren Dienstmädchen der Werles, und von der unermüdlichen Unterstützung seines Vaters für Hjalmars Ausbildung zum Fotografen und zur Etablierung des Foto­ateliers.

Versucht sein Vater sein Gewissen zu reinigen? Gregers ist überzeugt, ein Mensch könne nur auf der Grundlage von schonungs­loser Ehrlichkeit glücklich werden. So empfindet er es als seine Lebensaufgabe, die Sumpfluft im Hause Ekdal zu lüften. Mit seinen Ideen über ein Leben in Wahrheit treibt er jedoch die kleine Familie unweigerlich in die Katastrophe. Denn schnell zeigt sich, dass sowohl der eine als auch die andere Geheimnisse haben, die das Tageslicht nicht vertragen.

Was gut gemeint scheint – ein Leben ohne Illusion zu leben – erweist sich als zerstörerischer Fanatismus.

„Es geht nicht um Liebeskummer; nein, es geht um Familienschmerzen – das Leidvolle im familiären Zusammenhang. Das Stück handelt weder von politischen, noch sozialen, und schon gar nicht öffentlichen Angelegenheiten. Es bleibt völlig im Kreise der Familie.“, schreibt der norwegischen Dramatiker Henrik Ibsen, Meister des analytischen Dramas, 1884 seinem Verleger. Ibsen, wollte seine Wildente, uraufgeführt 1885 in Bergen, als Tragikkomödie verstanden wissen. Selbstironisch thematisiert der Autor von Nora oder ein Puppenheim, Ein Volksfeind und Gespenster sein uneingeschränktes Verfechten der Wahrheit.

Leitung:

Inszenierung
Hans-Ulrich Becker

Bühne
Alexander Müller-Elmau

Kostüme
Stefanie Seitz

Musik/Sounddesign
Wolfgang "Fadi" Dorninger

Dramaturgie
Matthias Döpke

Besetzung:

Direktor Werle, Grubenbesitzer
Thomas Kasten
Gregers Werle, sein Sohn
Thomas Bammer
Der alte Ekdal
Stefan Matousch
Hjalmar Ekdal, der Sohn des Alten
Lutz Zeidler
Gina Ekdal, seine Frau
Katharina Hofmann
Hedvig Ekdal, ihre Tochter
Katharina Wawrik
Frau Sørby
Bettina Buchholz
Relling, Arzt
Sebastian Hufschmidt


Künstler


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