Ausstellung: Wissen

Die Universität. Eine Kampfzone


Die Universität als jüdisches Hoffnungsgebiet und Ort blutiger Pogrome. Eine Erzählung über Inklusion und Exklusion aus jüdischer Perspektive. Eine Ausstellung über 650 Jahre jüdisch-universitäre Beziehungsgeschichte in Wien.

Wien um und nach 1900: Wissenschaft und Forschung wird von zahlreichen jüdischen
Protagonisten vorangetrieben. Auch erste jüdische Wissenschaftlerinnen erkämpfen sich den
Weg auf die bis dahin ausschließlich männlich dominierte akademische Bühne.

Ihre Projekte, ihre Erfolge – darunter Nobelpreise, sind heute zum Teil im akademischen
Bewusstseins verankert. Weniger bekannt sind die ihnen verweigerten Professuren, der
damit zusammenhängende braindrain vor 1938 sowie ihre Vertreibung und Ermordung in der
Zeit des Nationalsozialismus bzw. ihre neuen Karrieren im Exil.

Dieses Spannungsfeld zwischen Wiener Moderne und Faschismus ist einer von mehreren Schwerpunkten eines
groß angelegten Ausstellungsprojekts zum 650. Jahr des Bestehens der Universität Wien,
das erstmals einen umfassenden Einblick in die Beziehungsgeschichte zwischen Jüdinnen
und Juden und den Universitäten Mitteleuropas, insbesondere Wiens, vermittelt.

Die Ausstellungserzählung beginnt mit den Steinen der 1421 zerstörten mittelalterlichen
Synagoge, die für den damaligen Neubau der Wiener Universität verwendet wurden.
Gleichzeitig stellt sie die Frage nach jüdischen Lehr- und Vermittlungsstrategien in Zeiten, in
denen Jüdinnen und Juden der Zutritt zu den katholisch geprägten Universitäten verwehrt
wurde. Einen weiteren Fokus bildet jener turn am Ende des 18. Jahrhunderts, den die
Zulassung jüdischer Studenten und die von Kaiser Joseph II. angestrebte „Germanisierung
der Juden“ im Habsburger-Reich mit sich brachten. Die Ausstellung beleuchtet daher auch
die jüdische Studentenschaft während der 1848-Revolution, ihre deutschnationalen
Freiheitsphantasien und ihren bald darauf folgenden Ausschluss aus den Burschenschaften
wegen der antisemitischen Entwicklung. Im Anschluss an das eingangs geschilderte
Spannungsfeld zwischen Moderne und Faschismus, nähert sich die Ausstellungserzählung
schließlich der Gegenwart an: Zwischen den Demonstrationen im Jahr 1965 gegen den
antisemitischen Professor Taras Borodajkewycz und dem aufkommenden Antisemitismus
innerhalb einzelner Gruppen der Neuen Linken um 1970 lernen wir eine der Öffentlichkeit
unbekannte Sicht auf Wien und seine Universitäten in den Jahren zwischen 1945 und heute
kennen.


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