Theater

Die Präsidentinnen


Werner Schwabs Stück ist eine bitterböse und zugleich komödiantische Sprachattacke. Drei Frauen - die "Präsidentinnen ihres Unglücks" - sprechen über ihr Leben, um ihr Leben, ersprechen sich ihr Leben. Das ist komisch, zynisch und spannend.

Theaterstück von Werner Schwab
mit Maria Hofstätter, Martina Spitzer, Dietmar Nigsch

Schwabs Stück ist eine bitterböse und zugleich komödiantische Sprachattacke. Drei Frauen - die "Präsidentinnen ihres Unglücks" - sprechen über ihr Leben, um ihr Leben, ersprechen sich ihr Leben. Das ist komisch, zynisch und spannend.

Die Präsidentinnen sitzen in einer Wohnküche, zu der wie ein Hausaltar ein Fernseher gehört, aus dem der Papst gerade den Segen urbi et orbi erteilt: Rom und dem Rest der Welt. Und Erna, Grete und Mariedl. Schließlich beginnen sie über ihr Leben, ihre Kinder, über Sex und verstopfte Aborte zu philosophieren. Ein paar Gläschen Wein läßt ihre Gedanken schweifen und sie ihr persönliches Glück auf einem Fest herbeiphantasieren: Erna findet zu ihrem katholischen Metzger Wottila, Grete ihren knackigen Tubabläser Freddy und Mariedl befreit wieder einmal als unschlagbare Spezialistin alle Aborte dieser Welt von steckengebliebener Scheiße. Das Ende von Präsidentinnen ist die Stunde einer Pestgöttin. Mariedl verheißt den Präsidentinnen Erna und Grete das nahe Ende. Ernas Sohn Hermann, der seiner Mutter keine Enkel schenkt, sich das Gesicht zerschneidet und säuft, und Gretes Tochter Hannelore, die von ihrem Stiefvater mißbraucht wurde, Glasscherben gegessen hat und nach Australien ausgewandert ist - diese von ihren Eltern in die Selbstzerstörung getriebenen Kinder werden kommen, prophezeit Mariedl, und Erna und Grete töten. Ein Taxi wird vorgefahren mit Herrmann und Hannelore auf den ledergepolsterten Rücksitzen.

Hannelore wird Lydi, Gretes Hund, zemantschen und Grete ins Irrenhaus schaffen. Der betrunkene Herrmann wird Erna und ihren Bekannten, den katholischen Metzger Wottila, am Kragen packen und die beiden solange gegeneinander schlagen, "bis das Blut spritzt und die Seelen auswandern." Aber Schwabs Welt, in der statt der leibeigenen Kinder die Müllhalden kreißen, gehen Prophezeiungen unter, und so stirbt Mariedl wie ein Bote mit einer schlechten Nachricht.

Eine solche Gemeinheit, ein so grobes Stück können sie sich von Mariedl nicht gefallen lassen, sagen sich Erna und Grete. Sie holen das Küchenmesser, und die Szene eskaliert zum Massaker.


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