Vortrag

Die Mikrowelt von Pflanzen – eine Sensation?


Während einzelne Mikroorganismen bereits nach der Erfindung des Mikroskops im 17. Jahrhundert durch Antoni van Leeuwenhoek sichtbar gemacht werden konnten, blieben die Identität der einzelnen Mikroorganismen sowie die Struktur komplexer Gemeinschaften aus ihnen lange Zeit unbekannt. Erst Ende des 20. Jahrhunderts wurden molekulare Techniken entwickelt, die diese Black Box öffnen konnten. Studien, die in den letzten 10 Jahren durchgeführt wurden, ergaben eine hohe Anzahl von überraschender Vielfalt in den mikrobiellen Ökosystemen: im menschlichen Darm leben mehr als 100 Trillionen Mikroorganismen; in der Pflanzenwurzel, die ähnlich wie unser Darm der Nährstoffaufnahme dient, leben mehr Mikroorganismen, als Menschen auf der Erde. Die komplexen Mikroorganismengemeinschaften werden als Mikrobiome bezeichnet. Pflanzen werden nun im Zusammenhang mit ihren Mikroorganismen gesehen: ohne sie sind viele nicht in der Lage zu keimen, zu wachsen oder wohlschmeckende Früchte zu bilden. Interessanterweise gibt es einen Zusammenhang zwischen Mikrobiomen: unsere Nahrung bestimmt nicht nur indirekt über ihre Zusammensetzung unser eigenes, individuelles Mikrobiom, sondern dient auch direkt als wichtige Quelle für nützliche Mikroorganismen. Die Erkenntnisse der letzten Jahre führten zu einer Neubewertung von Pflanzen als Gesamtlebewesen mit Konsequenzen für die Landwirtschaft, die Ökosystemforschung und die menschliche Gesundheit.

Univ.-Prof. Dr. Gabriele Berg wurde 1963 in Potsdam, Deutschland, geboren. Sie ist verheiratet und Mutter zweier Söhne. 1981-1986 Studium der Biologie an der Universität Rostock; 1986-1987 Forschungsstudium Mikrobiologie / Biotechnologie an der Ernst-Moritz-arndt Universtität in Greifswald; 2001 Habilitation und Venia legendi (Mikrobiologie), Universität Rostock; 1996-2003 Assistentin und Oberassistentin an der Universität Rostock; 2003-2005 Heisenberg-Stipendiatin der Deutschen Forschungsgemeinschaft; seit 2005 Universitätsprofessorin für Umweltbiotechnologie an der TU Graz.

Aktuelles Arbeitsgebiet: Die Biotechnologie eröffnet Möglichkeiten für die Entwicklung effizienter, nachhaltiger und umweltfreundlicher Strategien für unsere Umwelt. Dafür ist es notwendig, die grundlegenden Kreisläufe und Prinzipien in Ökosystemen zu verstehen und daraus Fragestellungen und Lösungen für die Umweltbiotechnologie abzuleiten. Meine Forschung beschäftigt sich mit Fragestellungen der Umweltbiotechnologie, wie der Biodiversität in Ökosystemen (insbesondere pfalzenassoziierten Mikroorganismen) und deren Nutzung als Bioressource bis hin zu vielen angewandten Fragestellungen und Produktentwicklungen.


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