Theater

Die lächerliche Finsternis


„Wir sitzen hier mitten im Kriegsgebiet, aber wir bekommen nichts davon mit.“

Ein somalischer Pirat bittet vor dem Hamburger Landgericht um Verständnis für seinen Überfall auf das Frachtschiff MS Taipan und beklagt den Verlust seines Freundes Tofdau. Hauptfeldwebel Pellner und der Gefreite Dorsch fahren mit einem Patrouillenboot hinein in die Regenwälder Afghanistans. Ihr Auftrag: Liquidierung eines durchgedrehten Oberstleutnants. Die Reise führt immer tiefer in eine wirr wuchernde Welt, in der koloniale Geschichte und neokolonialistische Realitäten untrennbar miteinander verbunden sind. Immer weiter entfernen sie sich von der sogenannten Zivilisation, hinein in die Wildnis und Dunkelheit.

Als der ertrunkene Pirat Tofdau unerwartet in die Geschichte zurückkehrt und in der Finsternis um Hilfe fleht, wird er von Hauptfeldwebel Pellner erschossen. Denn in dieser Erzählung ist kein Platz mehr für einen Fremden. Skurril und filigran, ironisch und zugleich unendlich traurig beschreibt Wolfram Lotz in seinem Text unsere Unfähigkeit, das Fremde wirklich verstehen zu können: Das Grauen eines weit entfernten Kriegs, eine andere Kultur, einen anderen Menschen und zuletzt sogar sich selbst.

Hörspiel mit einer „Anmerkung zu der etwaigen Umsetzung des Scripts auf einer Theaterbühne“

Wolfram Lotz erhielt 2005 den Literaturpreis der Stadt Steyr, wurde 2011 mit dem Kleist-Förderpreis ausgezeichnet und von der Zeitschrift Theater heute zum Nachwuchsdramatiker des Jahres gewählt. 2012 erhielt er den Dramatikerpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. Mit Einige Nachrichten an das All war in der Spielzeit 2012/13 erstmals ein Stück von ihm am Akademietheater zu sehen.

Die Kritik bescheinigte ihm damals ein feines Gespür für grelle Komik und zarte Poesie und war begeistert von einem jungen Autor, der konsequent mit den Regeln konventioneller Dramatik bricht.

Besetzung:

Catrin Striebeck
Stefanie Reinsperger
Dorothee Hartinger
Frida-Lovisa Hamann

Regie und Bühne: Dusan David Parizek

Kostüme: Kamila Polívková

Licht: Felix Dreyer

Dramaturgie: Klaus Missbach


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