Theater

Die große Wörterfabrik


Agnès de Lestrades Bilderbuch, das 2009 unter dem Titel »La grande fabrique des mots« erschienen ist, ist ein Plädoyer für die Kraft der Wörter und der Sprache, den Wert von allgemein zugänglicher Bildung, aber auch für die Bedeutung wahrer Gefühle.

Es ist ein sonderbares Land, in dem Paul und Marie leben. Die Menschen reden kaum. Über den Dächern der Stadt thront ein riesiges Gebäude, aus dessen Schornstein ununterbrochen Rauch aufsteigt: die Wörterfabrik. Keine Fabrik, wie wir sie kennen. Nein, hier wird keine Ware produziert, sondern Wörter! Denn die Bevölkerung des Landes muss Wörter erst kaufen und sie schlucken, bevor sie sie aussprechen kann. Kommunikation ist in Pauls und Maries Heimat also keine Selbstverständlichkeit, mehr noch, sie ist ein Privileg wohlhabender Menschen.

Wie viele andere muss Paul seine Wörter aus Geldnot im Müll suchen oder mit Schmetterlingsnetzen aus der Luft fischen. Jedes Wort, das man sich dadurch aneignet, erhält einen ganz besonderen Wert. Vor allem dann, wenn man jemandem unbedingt etwas sagen möchte, weil man so verliebt ist … Und Paul würde Marie zu gerne an ihrem Geburtstag seine Gefühle offenbaren. Doch dummerweise ist da auch noch Oskar, ein reicher Junge, der alle Worte der Welt haben kann. Als Oskar mit zwei langen Sätzen Marie seine Zuneigung kundtut, muss Paul schnell handeln. Er nimmt all seinen Mut zusammen und sagt ihr die drei einzigen, leider zusammenhangslosen Wörter, die er besitzt …

Agnès de Lestrade ist eine vielseitige Geschichtenerzählerin: von Kinderliedern, über das Kreieren von Gesellschaftsspielen bis hin zu journalistischen Texten für eine französische Zeitung. Seit 2003 publiziert sie jedes Jahr mehrere Bücher für Kinder. Für »Die große Wörterfabrik« erhielt Agnès de Lestrade u. a. den Prix Papillotes sowie den Prix littéraire de la Citoyenneté.

Als Kammeroper wird ihr Bilderbuch nicht nur einfach lebendig, sondern verführt den Zuschauer durch die Kraft der Musik zum Staunen und Träumen.


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