Theater

Die Goldberg-Variationen


Eine Schöpfung, die einem genauen Plan folgt und dennoch misslingt, weil die Menschen anders handeln als vorgesehen. Ein Theater­himmel, der nicht voller Geigen hängt. Ein Regisseur, der sich wie Gott höchstpersönlich benimmt, ein masochistischer Jude als Regieassistent. Das sind die Ingredienzien für George Taboris Welttheater.

„Ist dies die beste aller Welten?“ fragt Goldberg. „Kennst du eine bessere?“ fragt Mr. Jay (= Jahwe!) zurück. Und Goldberg antwortet: „In meinem Kopf!“ – eine geradezu rebellische Hoffnung: scheitern, scheitern und dennoch versuchen ...

Ein neues Stück wird geprobt. Mr. Jay, der Regisseur, hat es sich zur Aufgabe gemacht, in sieben Tagen die dramatischsten Szenen der Bibel auf die Bühne zu bringen: Von der Erschaffung der Welt über Adam und Evas Sündenfall, Kains Brudermord, die Opferung Isaaks durch Abraham über Moses und die Zehn Gebote bis hin zu Kreuzigung und Auferstehung Jesu soll sich der Bogen spannen.

Doch wie es am Theater so ist, laufen die Proben alles andere als reibungslos. Die Technik ist unzuverlässig, die Diva weigert sich, nackt aufzutreten, die Schauspieler meutern, die Bühnenbildnerin hat völlig andere Vorstellungen als der Regisseur. Und die Putzfrau Mrs. Mopp braucht die Pausen dazwischen, um den Dreck, den diese Schöpfung hinterlässt, zu beseitigen.

Ausbaden muss diesen Wahnsinn der Regieassistent Goldberg. Er wird von Mr. Jay schikaniert, gedemütigt, an die Grenzen seiner Leidensfähigkeit gebracht und zu guter Letzt gar ans Kreuz genagelt. Und am Ende dieser „Passions­geschichte“ heißt es: Vorhang auf, die Premiere kann beginnen.

Das 1991 bei der ­Uraufführung am Burgtheater vom Autor selbst inszenierte Stück ist sarkastische Komödie und kurzweilige Theaterparodie. Mr. Jay und Goldberg bilden ein Duo, das nichts weniger sein will, als ei­ne Allegorie auf das Verhältnis Gottes zu seinem auserwähl­ten Volk. Ihre Beziehung ist von Hassliebe, Abhängigkeit und Willkür geprägt. Theater als Welt­metapher. Und dabei vermischen sich die Ebenen. Die dramatischen Szenen der Bibel erscheinen als groteskes Theater, der theatralische Prozess als biblische Schöpfungsgeschichte.

In seltener Einheit verband George Tabori alle Stationen seines Lebensweges: ungarische Nonchalance, angelsächsischer Humor, amerikanische Leichtfüßigkeit, jüdische Chuzpe, mitteleuropäischer Tiefsinn und Wiener Schmäh.

„Tabori lacht auch über das Lachen, womit ich keinesfalls sagen will, dass er über alles lacht. Aber über beinahe alles. Die beiden Dinge zusammen, das ‚Alles‘ und das ‚Beinahe‘, machen seine besondere Größe aus.“
Péter Esterházy, Lobrede auf George Tabori

Leitung:

Inszenierung - Marc Becker
Bühne - Peter Engel
Kostüme - Sandra Münchow
Musik - Nebojša Krulanović
Dramaturgie - Matthias Döpke

Besetzung:

Mr. Jay, der Regisseur - Klaus Köhler
Goldberg, sein Assistent - Manuel Klein
Mrs. Mopp, Putzfrau / Therese Tormentina Superstar / Ernestina van Veen / Das Goldene Kalb - Jenny Weichert
Japhet - Björn Büchner
Masch - Christian Manuel Oliveira
Raamah - Georg Bonn


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