Theater

Die Geier-Wally


1873 erscheint Wilhelmine von Hillerns Roman über den Tiroler Nationalmythos der Geierwally: eine junge Frau, eine Außenseiterin, die mit dem von ihr gezähmten Adler in der Einsamkeit der Bergwelt lebt, nachdem sie sich dem patriarchalischen Zwang der Heirat mit einem ungeliebten Mann und den Traditionen des scheinbar idyllischen Dorfes verweigert.

Doch der Sog zurück in die Gemeinschaft ist stark, und es kommt zu Verstrickungen von Liebe und Hass, Natur und Zivilisation, Gemeinschaft und Außenseitertum. Es ist die Geschichte einer starken Frau, einer Krawallmacherin in ihrem Kampf um Anerkennung in einer Gesellschaft, die sich in der Aufrechterhaltung eines verstaubten Wertesystems nicht irritieren lässt. Die Geschichte eines Menschen also, der sich fordernd und reibend auf seine Umgebung bezieht. Ein Mensch, der schlichtweg anders und dadurch ein Gradmesser für die Freiheit der Gesellschaft ist, in der er lebt.

Rebecca Lang und Johanna Wehner haben von Hillerns Werk zu einer konzentrierten Theaterfassung verknappt und dem Stoff das Kolorit des Trivialromans ausgetrieben. Dafür heben sie das Archetypische der Figuren hervor. Die zugleich drohende wie lockende Gesellschaft ist wie ein dreiköpfiger Chor, der sich immer wieder in Einzelstimmen aufspaltet: So werden der Vater und die Magd Luckard ebenso von einem Schauspieler verkörpert wie der geliebte Joseph und der verachtete Vinzenz. Ein alter, vertrauter Mythos, der im kollektiven Gedächtnis der Tiroler verankert ist, wird so auf unaufdringliche Art und Weise gegenwärtig.

Bühnenfassung von Rebecca Lang und Johanna Wehner nach dem gleichnamigen Roman von Wilhelmine von Hillern
Österreichische Erstaufführung

Besetzung:

Regie Thomas Krauß

Bühne & Kostüme Ursula Beutler

Wallburga / Wally Lisa Hörtnagl

Mann (Bären-Joseph, Gellner Vinzenz) Stefan Riedl

Frau (Stromminger, Luckard, ältere Dorfgemeinschaft) Ute Heidorn

Junger Mann ( Jüngere Dorfgemeinschaft, Afra) Matthias Tuzar

Pfarrer Ute Heidorn, Stefan Riedl, Matthias Tuzar

Musiker Otto Hornek


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