Theater

Die fabelhafte Welt des Sigmund Freud



An Freud ist ein Krimiautor verlorengegangen. Oder ein Dramatiker. Wer einmal seine weniger theoretischen Schriften gelesen hat, die sich mehr mit seinen konkreten Fallstudien befassen, der wird einen Schriftsteller kennengelernt haben, der seine Werke mit Spannung versieht, einen dramatischen Bogen baut, Geheimnisse webt, die dann am Höhepunkt kunstgerecht aufgelöst werden, kurz: einen Shakespeare, dessen Bühne die berühmte Couch war.

Als Grundlage für unseren Text haben wir Freuds frühe Studien an hysterischen Patientinnen genommen. Wir finden einen noch unsicheren Psychiater, der zum ersten Mal Techniken wie die Hypnose und Suggestion an seinen Patientinnen ausprobiert und weit entfernt von seinen später so dogmatisch vertretenen Triebtheorien ist. Für viele Therapeuten der späteren Generationen, war Freud in dieser frühen Zeit viel näher an der modernen Auffassung der Behandlung seelischer Probleme. Er legte den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Entdeckung und Heilung seelischer Verwundungen aus dem Kindesalter, wie sie heute ja vehement von Ärzten wie Alice Miller gefordert wird. Aber auch dem sozialen Umfeld, der Familienstruktur schenkte er viel Beachtung. "Von nun an war sie die Kranke in der Familie" schreibt Freud über eine Patientin, wohl bedenkend, dass er ihr damit unterstellt, eine ihr aufgedrängte Rolle zu spielen. Solcherart funktioniert ja die Diagnostik in der modernen Systemtherapie.

Dieser frühe Freud trifft in Gestalt eines namenlosen Psychotherapeuten in unserer Inszenierung auf die Märchenstoffe der Brüder Grimm, deren dunkle, oft bedrohliche Symbolkraft drei jungen Frauen zum Verhängnis wird. Es ist wie die Begegnung von Freuds praktischer Erfahrung mit seinen theoretischen Kenntnissen griechischer Mythologie, die er dann in einem dogmatischen Regelwerk zu verschmelzen suchte, das bis heute sehr umstritten, aber in seinen Grundbegriffen selbst Laien bekannt ist.

Unumstritten ist die Tatsache, dass Freud das XX. Jahrhundert in vielen Hinsichten entscheidend geprägt hat, weswegen wir ihn in unsere Reihe "Großer Söhne", die den Österreichern, die der Welt ihren Stempel aufgedrückt haben, gewidmet ist, genommen haben. Für die moderne Kunst stellte Freuds Werk einen fruchtbaren Nährboden dar. Denken wir nur an die Surrealisten, an die Filme vom Alfred Hitchcock, an die Psychodramen des modernen Theaters. Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

Und wer hat Angst vor Sigmund Freud?

Besetzung
Philipp KAPLAN

Ingeborg MAMMERLER

Constantina-Elisabeta VANCA
Viktoria DEIXLER
Text Geirun TINO

Regie & Bühne Geirun TINO

  • Heute

    20:00
  • Sa., 10.12.2016

    20:00
  • Sa., 07.01.2017

    20:00
  • Mi., 11.01.2017

    20:00