Ausstellung: Wissen

Die ersten Europäer. Habsburger und andere Juden – eine Welt vor 1914


Hundert Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs steckt Europa erneut in einer tiefen Krise. Das Jüdische Museum Hohenems blickt zurück auf die Lebenswelt der „Habsburger Juden“ und erzählt von ihren Erfahrungen, ihren transnationalen Netzwerken, ihrer Mobilität, ihren Hoffnungen auf eine europäische Einigung und ihren Illusionen über das Habsburger „Vielvölkerreich“.

Die Ausstellung präsentiert kostbare Leihgaben aus Museen und Sammlungen in Europa und den USA – und erzählt von Kaufleuten und Lastenträgern, Erfindern und verkauften “Bräuten”, Künstlern und Salondamen, Hausiererinnen und Gelehrten, Spionen und Patrioten.

So entfaltet die Schau das Panorama eines untergegangenen Reiches, vom späten Mittelalter bis 1914. Am Ende existierten mehr als 400 jüdische Gemeinden auf dem Gebiet der Habsburger Doppelmonarchie in denen sich die ganze Vielfalt des Reiches widerspiegelte. Lange Zeit war Hohenems freilich die einzige öffentlich anerkannte jüdische Gemeinde auf dem Gebiet des heutigen Österreichs westlich des Burgenlandes, bevor das Staatsgrundgesetz 1867 Juden den Eintritt in die Gesellschaft eröffnen sollte – und der moderne Antisemitismus zur neuen Heilslehre Europas wurde. Juden gehörten in dieser Welt vor 1914 zu den aktivsten Mittlern zwischen den Kulturen und Regionen. Ihre Mobilität und ihre grenzüberschreitenden Beziehungen machten sie zum dynamischen Element der europäischen Entwicklung.

Die Angehörigen dieser jüdischen Gemeinden waren alles andere als homogen. Sie bestanden aus Monarchisten und Revolutionären, aus Chassidim und Maskilim, Frommen und Aufgeklärten, ländlichen und urbanen Juden, Armen und Reichen, Traditionalisten und Kämpfern für Gleichheit und Recht, Feministinnen und Utopisten. Aber sie alle hatten einen europäischen Horizont.

In ihren Lebensgeschichten und in den Objekten, die sie hinterlassen haben, verdichten sich hundert Jahre nach dem Beginn des „europäischen Bürgerkriegs“ alle Aspekte einer vergangenen und enttäuschten, missbrauchten aber immer noch lebendigen europäischen Hoffnung.


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