Theater

Die Brüste des Tiresias


Guillaume Apollinaire

Eine Frau steht ihren Mann: Therese hat genug vom Kinderkriegen
und Essenmachen. Als Tiresias macht sie ab nun in Sachen Politik.
Ihr Ehemann muss selbst zusehen, wo er Speck und Nachwuchs
herbekommt. Während seine Frau sich aufs Denken und Reden
verlegt, wird er (re)produktiv und bringt es auf 40.049 Kinder
an einem Tag! Arbeitsteilung unter umgekehrten Vorzeichen?
Das kann nicht gut gehen. Die Kinder heulen, und Sansibar
verarmt am Babyboom.
In dem absurden Stück „Die Brüste des Tiresias“, 1903 begonnen
und 1916 mitten im Ersten Weltkrieg fertiggestellt, greift
Guillaume Apollinaire eine Thematik auf, die damals die gesamte
westliche Zivilisation beschäftigte: Wenn die Männer im Krieg
sind und dort ihr Leben lassen, wo soll neues Leben her?
Wer kümmert sich um den Rest? Als Frauen in die Positionen der
Männer nachrücken mussten, da Not am Mann war,
da wurde die Frage nach der Gleichberechtigung noch einmal neu
gestellt: Sind die Geschlechter in jeder Hinsicht gleichstellbar?
Sind sie austausch- oder gar ersetzbar?


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