Theater

Die Brüder Karamasow


Frank Castorf fügt mit der Inszenierung von Die Brüder Karamasow seinem Jahrhundertwerk, der Auseinandersetzung mit dem Kosmos Dostojewski bei den Wiener Festwochen, nach Dämonen, Erniedrigte und Beleidigte, Der Idiot, Schuld und Sühne und Der Spieler seine Interpretation des letzten Romans des großen russischen Dichters hinzu.

≫Wir sind zwei Europa≪, schreibt 1989 Heiner Müller. ≫Das eine von Rom, das andre von Byzanz geprägt.≪ Berlin markierte einst den geografischen Grenzriss zwischen diesen beiden kulturellen Sphären; der hat sich inzwischen über den Dnjepr verschoben, dort herrscht jetzt Krieg.
Die Brüder Karamasow, Fjodor Dostojewskis als Kriminalgeschichte angelegter letzter großer Roman, blättert ≫polyphon≪ (Michail Bachtin) die bis heute in frappierender Weise gültigen weltanschaulichen und philosophischen Stimmen der Systeme in West (Liberalismus) und Ost (Orthodoxie) auf. Es sind die letzten Fragen des Seins, vom Gottmenschen und von der idealen Gesellschaft, denen Dostojewski anhand des Mordes an der Vaterfigur Fjodor Karamasow und der anschließenden Verdächtigungen der Söhne Dmitri, Iwan und Aljoscha folgt. Motor, um sich immer mehr in einem Labyrinth aus Gefühl und Gesetz zu verstricken, ist nichts Geringeres als die Liebe – hier zur Femme fatale Gruschenka. Dostojewski ist ein Vertreter der Moderne und weiß, die Liebe braucht das Geld wie das Feuer die Luft. In Dimensionen des Biblischen öffnen sich Abgründe.

Inszenierung Frank Castorf
Bühne Bert Neumann

Mit Marc Hosemann, Sophie Rois, Alexander Scheer u. a.


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