Hip-Hop

dicht & ergreifend


Bayern-Rap aus Berlin. Klingt komisch, ist aber logisch. Den wo gehen die Freigeister hin, denen es in der Provinz zu eng wird? In die Hauptstadt.

So haben es auch die beiden Niederbayern George Urquell und Lef Dutti gemacht. Und wie jeder weiß, der mal weg war: Aus der Ferne hat man plötzlich einen ganz anderen Blick auf daheim. Kein Wunder, dass sie angefangen haben, sich mit ihrem Dialekt, mit Tuba, Trompete und Zither auseinander zu setzen. Diese bayerischen Klänge haben die beiden Mundart-MCs mit ihrer eigentlichen Heimatmusik zusammengebracht: Dem HipHop.

Zwanghafte Marketingstrategien liegen der Band aber glücklicherweise fern, das zeigt sich am wunderbar undogmatischen Umgang mit dem Material: Es muss jetzt nicht alles dem bayerischen Reinheitsgebot entsprechen. Letztendlich ist es dicht & ergreifend wurscht, ob sie ganz klassisch ein Soulsample verbraten oder einen Volkstanz mit fetten Beats unterlegen: Beides hat seine Berechtigung, Hauptsache es groovt und bleibt im Ohr hängen. Dass auch ihre DJs Spliff und Arok es kongenial drauf haben, ist spätestens dann klar, wenn sich das Monaco-Franze-Sample "A bissl was geht immer" auf "Zim Zimma, who's got the keys to my Bimma" von Beenie Man reimt (Bimma sagen die übrigens drüben in Jamaica zu BMW).

In Österreich hat Mundart-Rap längst Charterfolge eingefahren. Deutschland ist sich da bisher mit einem albernen "Nord-Süd-Rumgebitche" selber im Weg gestanden. Mit dicht & ergreifend könnte sich das jetzt endlich und endgültig ändern. Sie bringen zusammen, was zusammengehört: Bayern und Berghain, Ghetto und Gstanzl, Sozialkritik und Schmarrn.

Es ist schon beeindruckend, wie die Crew durchgestartet ist. Im Jänner 2014 kam das erste Video "Zipfeschwinga" heraus, dann spielten dicht & ergreifend als Vorband von LaBrassBanda. Die Crowdfunding-Kampagne zu ihrem ersten Album "Dampf der Giganten" wurde regelrecht überrannt und spielte am Schluss fast doppelt so viel ein wie geplant. Als die Platte dann im Mai 2015 endlich erschien, belegte sie prompt Platz 4 der deutschen HipHop-Charts. Den Rest des Jahres über bespielte die Band den Freistaat aufs heftigste - unter anderem als Support von Hubert von Goisern auf dem Münchner Königsplatz.

Man kann also im Jahre 2016 n. Chr. sagen: Ganz Bayern ist von dicht & ergreifend erobert. Nun sind sie auf dem besten Weg, ihr Imperium auch jenseits der Weißwurst-Area auszudehnen. Und weil uns Oberösterreichern ja ein Kuschelverhältnis zum Freistaat nachgesagt wird, müsste ihr Linz-Auftritt nachgerade eine Einserbank sein, zefix!
http://dichtundergreifend.com/
http://www.posthof.at/posthof-konzert-abo
Besetzung: George Urquell: Raps; Lef Dutti: Raps, Beats; DJ Spliff, DJ Arok: Cuts; Lulle 68, Phil Griagl: Tuba; Takeda Tight, Sir Mix a Lothar: Trompete
Aktuelle CD: "Dampf der Giganten" (2015), Zipfe Adam Records


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