Jazz

Diane Schuur


Diane Schuur gehört zu jener seltenen Spezies von Sängerin, die sich als Jazzvokalistin ebenso versiert zeigt wie als Unterhaltungskünstlerin. Während es üblicherweise Vokalisten und Vokalistinnen gibt, die sich entweder dem viel einträglicheren Genre der leichten Musik zuwenden oder aber die Laufbahn eines Jazzkünstlers im klassischen Sinn des Wortes einschlagen, ist Schuur musikalisch nicht festgelegt.

Frank Sinatra und Nat „King“ Cole haben zwar das Jazzidiom auf virtuose Weise beherrscht, sich aber ganz bewusst dafür entschieden, Entertainer zu werden. Im Gegensatz dazu hätten Chris Connor, Betty Carter und Johnny Hartman im Showgeschäft Karriere machen und in der Hitparade Erfolg um Erfolg landen können, sie haben jedoch den Weg Richtung Jazzszene beschritten. Schuur hat die beiden Laufbahnen unter einen Hut gebracht, indem sie gekonnt zwischen Jazz und Pop changiert.

Unbeirrbar und konsequent verbindet sie harte künstlerische Arbeit mit dem Glamour und der Vitalität der Entertainerin, sodass sie sowohl in großen Konzertsälen wie auch in kleinen Clubs immer souverän wirkt. Ihre stilistische Bandbreite reicht von der subtilen Jazz-Interpretation bis zur rohen Kraft des Rhythm and Blues. Sie ist mit Ray Charles und mit Peter Nero und den Philly Pops aufgetreten und hat Alben mit der Count Basie Band (GRP 1987) und mit B.B. King („Heart to Heart“, GRP 1984) eingespielt. Schuur ist zweifellos eine bemerkenswert wandlungsfähige Sängerin.

Mit dem Album „I Remember You“ zollt sie zwei großen Stars Tribut, die sie gefördert und auch musikalisch beeinflusst haben: dem Jazzsaxophonisten Stan Getz und dem Crooner Frank Sinatra. (Sie kannte beide persönlich. Getz spürte sofort ihr Talent, als sie noch am Beginn ihrer Karriere stand, und arbeitete mehrmals mit ihr zusammen, Sinatra engagierte sie für ein größeres Fest im privaten Kreis.) Das Dankeschön an diese Ikonen fällt aber dennoch recht ungewöhnlich aus: Schuur hat sich mit dem für Club-Gigs typischen Quintett-Format nicht nur für ein intimes Jazz-Setting entschieden, sondern auch Songs ausgewählt, die durch ihre Subtilität und ihr künstlerisches Raffinement herausstechen, darüber hinaus setzt sie immer wieder Scat-Gesang ein und nicht zuletzt legt sie den Schwerpunkt auf die feinfühlige Interpretation der Stücke. Schuurs Begleitung setzt sich aus hervorragenden Jazzmusikern zusammen, allen voran Alan Broadbent am Klavier und Joel Frahm am Saxophon. Da es sich um ein Tribut-Album handelt, enthält es nur Songs, die irgendwann einmal von Sinatra oder Getz aufgenommen wurden, wobei einige für immer mit ihnen verbunden bleiben werden. Und wenn sie auch Sinatras in lockerem Plauderton verpackte Emotionalität und Getz’ frenetische Improvisationen durch ihre Modulationen durchschimmern lässt, so wird der Gesamteindruck doch von Schuurs unverkennbarer Stimme und künstlerischem Ansatz bestimmt. […] Den einen werden die Straight-ahead-Interpretationen besser gefallen als die musikalischen Kapriolen von Getz und Sinatra, während die anderen auf den mitreißenden Schwung und zusätzlichen Pep abfahren werden. So oder so: Mit diesem Album stellt Schuur wieder einmal unter Beweis, was sie alles draufhat, wenn sie von einer kleinen Jazz-Combo in einem intimen Studio-Setting unterstützt wird. Dass es jedenfalls voller Vitalität und Energie ist, versteht sich bei dieser Sängerin von selbst. (www.allaboutjazz.com, Übers.: F. Kulcsar)

Diane Schuur: vocals, piano
Julian Seigel: saxophone
Ben Wolfe: bass
Adam Pache: drums


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