Tanz

Deufert & Plischke - Niemandszeit


1998 erarbeitete Thomas Plischke das Tanzsolo Fleur (Anemone) als Teil seines Studienabschlusses bei P.A.R.T.S. Zur selben Zeit verfasste Kattrin Deufert den Text Mythos Europa, ein fiktives Tagebuch, begleitend zum Abschluss ihrer Dissertation an der FU Berlin. Beide Arbeiten beinhalten etwas des emotionalen Zustandes zu Graduieren, diese Niemandszeit: kein Student mehr, aber auch noch nicht professionell. 16 Jahre später findet sich der Künstlerzwilling deufert&plischke in der Situation, KunststudentInnen bei ihrem Studienabschluss zu begleiten.

Für Niemandszeit wurden die Rollen getauscht: die AbsolventInnen wurden professionelle MentorInnen für die "Wiederaufnahme" und Verschmelzung der beiden Abschlussarbeiten. In einem Prozess, der mehrere Monate dauerte wurden das Tanz-Solo und der Text reformuliert und mit eigenen Erfahrungen und Erinnerungen der Zeit zwischen 1998 und heute verwoben, einer Periode geprägt vom Irakkrieg, der historischen Zäsur vom 11. September, der Finanzkrise, dem Arabischen Frühling, Facebook, Google, NSA,… Bilder und Text aus dieser Zeit wurden gesammelt und dienten als Inspiration um das originale Material zu kontextualisieren. Die Originale wurden zerstört und die graduierten Studierenden, nun KollegInnen und Arbeits-MentorInnen in deufert&plischkes Arbeit, produzierten einen neuen Text und Bewegungsscore, das von deufert&plischke zusammen mit dem Publikum performt wird.

KONZEPT UND REALISATION: deufert&plischke
CHOREOGRAFIE UND TEXT: Rosalind Goldberg, Ana Laura Lozza, Lee Meir, Miriam Jakob, Flavio Ribeiro, Kareth Schaffer
PEFORMT VON: deufert&plischke
TEXTBEITRAG VON: Valda Setterfield
PRODUKTIONSMANAGEMENT: Barbara Greiner
PRODUKTION VON: deufert&plischke und Tanzfabrik Berlin e.V. mit Unterstützung des Europäischen Netzwerkes APAP Advancing Performing Arts Project - Performing Europe 2011-2016, unterstützt durch EU Kultur
KOPRODUKTION VON: BIT Teatergarasjen Bergen, Kunstencentrum Buda Kortrijk, Tanzquartier Wien
GEFÖRDERT DURCH: die Kulturverwaltung des Berliner Senats

Der Künstlerzwilling deufert&plischke hat in mehr als zehn Jahren dazu eingeladen, Choreografie nicht nur zu zeigen, sondern zu schreiben. Unter dem Motto: »Give us your material and we’ll show you what you’re not doing to it«, haben sie mit Studierenden am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin (HZT), an zahlreichen internationalen Hochschulen und in Zusammenarbeit mit KollegInnen immer wieder das Künstlerego mit ihrer kollektiven Schrift gelöscht. Choreografie ist so eine soziale Schreibpraxis, ein Weben - und zwar nicht mit Fäden ästhetischer Vorlieben, sondern mit Stimmen existentieller Bedrohung wie Krieg und Liebe oder philosophische Begriffe wie Wahrheit und Freiheit.

www.deufertandplischke.net


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