Theater

Täter


Mütter, die sich an ihren Söhnen und Töchtern vergehen, Väter, die auch vor dem Missbrauch von Kleinkindern nicht zurückschrecken: Gewalt und Abhängigkeit zwischen Eltern und Kindern thematisiert Thomas Jonigk öfter in seinen Werken und auch in seinem 1999 geschriebenen „Täter“.

TÄTER von Thomas Jonigk
Es spielen: Dorrit Aniuchi, Rita Dummer, Lucia Zamora Campos, Yasmin Ritter; Daniel Hauser, Robert Kahr und Wolfgang Pevestorf
Regie und Raum: Marius Schiener.

Petra und Paul treffen einander zufällig auf einem alten, aufgelassenen Bahnhof. Beide tragen sich schon seit Längerem mit Gedanken, ihren Leben ein Ende zu setzen. Weil sie es nicht mehr aushalten. Von frühesten Kindesbeinen an wurde Petra vom Vater Erwin, Paul von seiner Mutter Magda zu sexuellen Handlungen genötigt, wobei Erwins Frau Karin wegsah. Erst nach der Überwindung ihrer Sprachlosigkeit machen sich die zwei jungen Menschen auf, ihre Eltern zur Rede zu stellen……

Das Thema:
Mütter, die sich an ihren Söhnen und Töchtern vergehen, Väter, die auch vor dem Missbrauch von Kleinkindern nicht zurückschrecken: Gewalt und Abhängigkeit zwischen Eltern und Kindern thematisiert Thomas Jonigk öfter in seinen Werken und auch in seinem 1999 geschriebenen „Täter“ stellt sich wieder die Frage, ob man Dinge so drastisch zeigen und aussprechen muss. So drastisch, dass sogar die ernste Form kippt und zu einer Karikatur der Machtausübung der Täter über ihre Opfer wird.

Jonigk zeigt Monsterfamilien, weil er meint, dass Vater-Mutter-Kind-Konstellation die Machtverhältnisse am reinsten ausprägen. Oder das Verhältnis zum Eigentum auf Menschen umgelegt wird: "Forschungsergebnisse bestätigen, dass die Kleinfamilie dem Eigentumsdenken förderlich ist" und Eigentum sei einer der zentralen Begriffe im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch von Kindern. Immer wieder betonen die Eltern in Jonigks Stücken, dass sie die Kinder besitzen und deshalb auch ihre Körper für den elterlichen Gebrauch bestimmt sind.

Das belegen auch die Täterprotokolle, die von Karin Jäckel in ihrem Buch "Komm mein liebes Rotkäppchen" gesammelt wurden und dem Stück zugrunde liegen.


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