Oper

Das Rheingold


Ein Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend - Musik und Dichtung von Richard Wagner

„Den Ring muss ich haben!“: Wotans gieriges Bekenntnis, das dem ­Diskurs des „Götter-Quartetts“ (aus Wotan, Loge, Donner und Froh) im zweiten Rheingold-Bild (Freie Gegend auf Bergeshöhen) als das „Leitmotiv“ der gesamten Ring-Tetralogie geradezu verräterisch entspringt, offenbart in seiner simplen Satzstruktur bereits die ganze Tragödie von Richard Wagners monumentaler Ring-Welt-Deutung. Das „muss“ steht für den Zwang, der allem systemischen Denken innewohnt, der „Ring“ für die symbolische Überhöhung, die Systeme zur Legitimation und zum Überleben brauchen, und das „Ich“ für jenes leicht übertragbare „gierige Subjekt“, das in Wagners Ring viele Namen trägt: von Alberich bis Hagen …

Den Sündenfall in dieser Wagner-Welt, in der sich Götter und Göttinnen wie Riesen und Nibelungen in ihrem Streben nach Macht und Besitz nur wenig voneinander unterscheiden, markiert der dreiste Raub des Titelhelden: „Das Licht lösch’ ich euch aus; / das Gold entreiߒ ich dem Riff, / schmiede den rächenden Ring: / denn hör’ es die Flut – / so verfluch’ ich die Liebe!“ – Alberichs den Rheintöchtern unfreiwillig aufgezwungenes „Tausch-Geschäft“ – wenn schon keine Liebe, dann wenigstens Gold, sprich: Macht –, ist ein so offensichtliches Not-Produkt narzisstischer Kränkung, dass dieses „Eigentum“ des Ringes nichts anderes hervorbringen kann als Neid und Missgunst, Hass und Tod. – Dieser zerstörenden Kraft Einhalt zu gebieten, stünde der symbolischen Ordnung zu, die durch Wotans Speer verkörpert wird; doch der „Herr der Verträge“ ist schon selbst korrumpiert, seit er Gold, Tarnhelm und Ring dem Nibelungen nur durch betrüge­rische List entwand …

Wagners Rheingold: nur das „Vorspiel“ zu einer Menschheits-Tragödie, wie sie in ihrer teleologischen Geschlossenheit nur im Jahrhundert Hegels entworfen werden konnte: Planvoll entwickelt Wagner ein überzeitliches Panorama, das in dreifacher Zerstörung (Natur, Familie, Staat und göttliche Ordnung) zugleich utopisch „neue Menschenpaare“ (Siegmund und Sieglinde in der Walküre) und gar einen „neuen Menschen“ (Siegfried) denken kann … Und das im 20. Jahrhundert, wie kaum ein zweites durch kollektive Zerstörungen oder Umwälzungen beschädigt, in den epochalen Neudeutungen von Wieland Wagner und Patrice Chéreau seine Zukunftstauglichkeit eindrücklich unter Beweis stellen konnte.

Zu Beginn des dritten Jahr­tausends sind die Ideologien ­desavouiert und die Utopien rar: Wozu taugt heute der Ring? ­Zumindest zu der Einsicht, die Loge am Ende des Rheingold so klar wie zynisch formuliert: ­„Ihrem Ende eilen sie zu, / die so stark im Bestehen sich wähnen.“ Das lässt fürchten … und hoffen.

Leitung:

Musikalische Leitung - Dennis Russell Davies / Marc Reibel
Inszenierung - Uwe Eric Laufenberg
Bühne - Gisbert Jäkel
Kostüme - Antje Sternberg
Dramaturgie - Wolfgang Haendeler

Besetzung:

Wotan - Gerd Grochowski
Loge - Michael Bedjai / Pedro Velázquez Díaz
Fricka - Karen Robertson
Freia - Sonja Gornik / Brit-Tone Müllertz
Donner - Seho Chang
Froh - Iurie Ciobanu / Pedro Velázquez Díaz
Erda - Bernadett Fodor
Alberich - Oskar Hillebrandt
Mime - Matthäus Schmidlechner
Fasolt - Dominik Nekel
Fafner - Nikolai Galkin
Woglinde - Mari Moriya
Wellgunde - Gotho Griesmeier
Floßhilde - Valentina Kutzarova

Bruckner Orchester Linz


Vergangene Termine