Theater

Der Patriot


Franz Fuchs, der Briefbomber von Österreich, wird zur Bühnenfigur. Was geschieht, wenn man einem Mann, der nachweislich für Morde, Verstümmelung und Verletzung von Unschuldigen verantwortlich war, der für Angst und Verunsicherung sorgte, soviel Sprachraum und posthume Selbstdarstellung zugesteht?

Felix Mitterer gelingt diese heikle Gratwanderung mit Übersicht und Feingefühl.

Denn die Aussagen dieser Bühnenfigur sind einerseits Wasser auf die Mühlen einschlägiger Kreise, andererseits polarisieren sie aber auch und sorgen für Distanzierung, indem sie sich dabei selbst sukzessive diskreditieren.

Aus den Vernehmungsprotokollen und psychiatrischen Gutachten, den Bekennerschreiben und diversen Zeitungsartikeln ist clusterartig das Psychogramm eines Mannes erwachsen, das in seiner verwirrenden Vielfältigkeit, perversen Emotionalität, bestechenden Intelligenz und seiner ans Absurde grenzenden Widersprüchlichkeit auf eine unheimliche Art und Weise zu faszinieren vermag.

Die große Leistung Felix Mitterers besteht darin, dieses brisante Material in eine Abfolge gebracht zu haben, die über den Wahnsinn eines Franz Fuchs hinaus auch eine Bestandsaufnahme österreichischer Verhältnisse ist. Hier entsteht nochmals das Destillat einer brisanten Phase österreichischer Zeitgeschichte. Aus dem Mikrokosmos eines Einzeltäters, der im wörtlichen Sinne für gesellschaftlichen Sprengstoff sorgte, erwächst auch gleichzeitig ein Verbindungsbogen zu Staat und Politik.

Franz Fuchs hat dieser österreichischen Politik ein Vermächtnis hinterlassen, und wer genau hinsieht, wird es in seiner inhumanen Asyl- und Abschiebepolitik wiedererkennen.

"Der Patriot" von Felix Mitterer
Inszenierung & Raum: Jürgen Heib
Spiel: Peter Woy
Lichtgestaltung: Alexander Böhmler
Kostüm: Elfriede Wimmer
Toncollage: Otto Pölzl


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